Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/211/
209 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 111, 
2012zu 
einer unverwechselbaren Einheit. Zur Unterstrei- chung des Glanzes, der aus dem Stahlstich des Medal- lions hervorging, wurden die Marken auf Kreidepapier gedruckt. Die ersten Briefmarken Liechtensteins waren also bereits sorgsam von grossen Künstlern gestaltete kleine Kunstwerke. Ich freue mich natürlich sehr, dass das Postmuseum diesen Kunstwerken im Jubiläumsjahr eine Ausstellung widmet, in der die Entstehung der ersten Briefmarken Liechtensteins und ihre postalische Verwendung doku- mentiert werden. Ich freue mich aber auch heute sagen zu können, dass mit den ersten Briefmarken Liechten- steins ein Vermächtnis geschrieben war, das bis zum heutigen Tag im Land umgesetzt wird. Auch wenn Brief- marken heute eine deutlich geringere Bedeutung als Zeichen der Souveränität und als Finanzquelle haben und eher der Funktion der Werbung für das betreffende Land dienen, hat es Liechtenstein als einer der wenigen Staaten weltweit geschafft, die hohe künstlerische und graphische Qualität seiner Briefmarken bis heute, also über 100 Jahre, aufrecht zu erhalten und zu pflegen. Das verdient grösste Hochachtung. Ich freue mich be- sonders, dass dieses Vermächtnis auch den Wechsel der Post von einer Staatsinstitution zu einem Wirtschafts- unternehmen überdauert hat. Und ich bin mir bewusst, dass wir dies ganz wesentlich dem persönlichen Engage- ment des Vorsitzenden der Geschäftsleitung der Liech- tensteinischen Post AG, Herr Herbert Rüdisser, und des Leiters der Philatelie Liechtenstein, Herrn Norbert Has- ler, verdanken. Ich wünsche mir für die Zukunft der liechtenstei- nischen Briefmarken, dass das Vermächtnis der ersten Briefmarken des Landes weiterhin Grundlage der Quali- tät von Gestaltung und Ausführung der Briefmarkenaus- gaben Liechtensteins bleiben wird, freue mich auf den Besuch der Ausstellung und danke für Ihre Aufmerk- samkeit. 
regierenden Fürsten Johann II., der selber zu dieser Zeit in Wien residierte. Als man sich endlich auf einen Kom- promiss geeinigt hatte, musste – wie so oft – dann alles sehr schnell gehen. Die österreichische Staatsdruckerei als ausführendes Organ für die Herstellung der ersten Briefmarken Liechtensteins hatte aufgrund dieser Eile wohl keine andere Wahl als auf bewährte, routinierte Gestalter österreichischer Briefmarken zurückzugreifen. Dies war ein Glücksfall für Liechtenstein, denn auf diese Weise wurden die ersten Briefmarken des Landes von zwei berühmten Künstlern gestaltet: Koloman Moser entwarf den Rahmen, Ferdinand Schirnböck stach das Medaillon mit dem Porträt des Fürsten Johann II. Den- noch war die Zusammenarbeit der beiden Künstler zu diesem Zeitpunkt noch ein Novum. Wer waren die beiden Künstler, die die ersten Brief- marken Liechtensteins gestaltet haben? Koloman Moser, der Gestalter des Rahmens der Marken dürfte vielen als einer der bedeutendsten Vertreter des Jugendstils bekannt sein, der zusammen mit so berühmten Namen wie Gustav Klimt, Josef Hoffmann und Josef Maria Ol- brich 1898 als Gründer der Wiener Secession und 1903 als Gründer der Wiener Werkstätte genannt wird. Er be- sticht durch ein enorm breites Werk, das vom Gemälde über die Gebrauchsgraphik bis zum Möbel- und Ge- bäude-Design reicht. Das Werk von Ferdinand Schirn- böck ist dagegen eher eng. Er hatte sich schon früh einen Namen als Kupferstecher und hier insbesondere auf dem Gebiet des Porträt-Stichs gemacht und hatte bald den Ruf eines «Briefmarken- und Banknotenstechers erster Klasse» erworben. Als solcher war er international tätig, für die Notenbanken verschiedener südamerikanischer und europäischer Staaten und für eine Vielzahl europä- ischer Postverwaltungen. Mit Koloman Moser und Fer- dinand Schirnböck wurden somit ein hochkreativer und ein hochpräziser Gestalter für ein und dieselbe Aufgabe, nämlich die Schaffung der ersten Briefmarken Liechten- steins, als kongeniale Partner zusammengeführt. Das Ergebnis der Zusammenarbeit von Koloman Moser und Ferdinand Schirnböck für die Schaffung der ersten Briefmarken Liechtensteins konnte sich sehen las- sen. Auf der einen Seite war es traditionell: es enthielt das Porträt des Regierenden – wie es für Briefmarken in dieser Zeit üblich war; auf der anderen Seite war es zeit- typisch: der Rahmen vereint künstlerische Elemente des Jugendstils mit dem Landeswappen von Liechtenstein Kapitel_9a_Briefmarken.indd   20922.10.12   12:58
        

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