Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/21/
19 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 111, 
2012 
Ferdinand Karl und Jakob Hannibal III., Grafen von Hohenems zu Vaduz Die beiden letzten regierenden Grafen von Hohenems zu Vaduz waren Graf Ferdinand Karl19 und dessen jün- gerer Bruder, Graf Jakob Hannibal III.20 Sie waren Söhne Graf Franz Wilhelms I., der um 1654 die Linie Hohenems zu Vaduz begründet hatte.21 Ferdinand Karl wurde 1650 geboren, Jakob Hannibal 1653. Ferdinand Karl und Jakob Hannibal wuchsen in Va- duz auf. Beide immatrikulierten sich 1669 an der Univer- sität Salzburg. Über den Gang und Erfolg ihrer Studien ist nichts bekannt. Ferdinand Karl heiratete Maria Jako- bäa Gräfin von Truchsess-Waldburg-Wolfegg, blieb aber kinderlos. Der jüngere Jakob Hannibal hatte mit seiner aus dem Bündner Freiherrengeschlecht von Ehrenfels und Schauenstein stammenden Ehefrau Anna Ämilia mehrere Kinder. Die Vorfahren der beiden Brüder hatten im 16. Jahr- hundert als Söldnerführer für Österreich, Spanien und den Papst Ruhm und Reichtum erlangt. Der Hohenem- ser Aufstieg basierte auch auf einer erfolgreichen Hei- ratspolitik und auf der Besetzung hoher geistlicher Äm- ter, etwa der Bischofsstühle von Konstanz und Salzburg. Der Urgrossvater Ferdinand Karls und Jakob Hannibals, Graf Kaspar, erwarb 1613 Vaduz und Schellenberg. Un- ter ihm erlebten die Hohenemser einen letzten wirt- schaftlichen und kulturellen Höhepunkt. Zum Schutz des Familienbesitzes errichtete er 1626 ein sogenanntes Fideikommiss, aufgrund dessen das Familiengut unge- teilt und unveräusserlich an den jeweils ältesten Sohn fallen sollte. Im Dreissigjährigen Krieg (1618–1648) gerieten die Hohenemser in die Verschuldung. Nach dem Krieg ver- loren sie durch den Abstieg Spaniens als europäischer Grossmacht ihre einträglichen spanischen Pensionen.22 Und in Vorarlberg übertrugen ihnen die Habsburger im Gegensatz zu früher keine Vogtei- und Pfandherrschaf- ten mehr. Von den Erträgen der kleinen Graf- und Herr- schaften Hohenems, Lustenau, Vaduz und Schellenberg aber konnte ein gräfliches Haus seine Lebens- und Re- präsentationsbedürfnisse nicht befriedigen. Vaduz und Schellenberg warfen nur rund 7–8’000 Gulden im Jahr ab – bei Ausgaben von rund 10’000 Gulden.23 Mit ihren Finanzproblemen standen die Grafen von Hohenems keineswegs allein: Viele kleinere und auch grössere Herren und Grafen konnten eine Territorialverwaltung 
und einen standesgemässen, adeligen Lebensstil nicht mehr aus eigenen Erträgen finanzieren.24 6  Zu den Landschaften Vaduz und Schellenberg vgl. Kaiser: Ge- schichte 1847 (1989); Frommelt: Gerichtsgemeinden (2000); From- melt: «Landschaft» (2012); Frommelt: «Landammannverfassung» (2012). 7 Vgl. Krüger: Landständische Verfassung (2003), S. 81–86. 8 Press: Peter Kaiser (1993), S. 60. 9  Vgl. dazu Kindle: «Oberland» (2012) und Kindle: «Unterland» (2012). Im Liechtensteiner Namenbuch, Teil I. Ortsnamen, bearb. von Hans Stricker, Toni Banzer und Herbert Hilbe, Vaduz 1999 fehlen die Begriffe. 10  Vertrag der Grafen Jakob Hannibal III. und Franz Wilhelm II. von Hohenems mit den Untertanen der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg betreffend den Steuerschnitz vom 9. April 1688, gedruckt in Gurt: Kaufvertrag 1699 (1999), S. 133–136, hier S. 133 f. 11  LI LA Sg RV 1845/15 (10. Oktober 1845): Verordnung betreffend die Veredelung der Viehzucht, § 14. 12 Vgl. Kindle: «Oberland» (2012). 13  Zu Peter Kaiser vgl. u.a. Brunhart: Peter Kaiser (1993); Geiger: Peter Kaiser (1993). 14 Kaiser: Geschichte 1847 (1989). 15  Vgl. dazu Press: Peter Kaiser (1993), u.a. S. 63: «Das entscheidende Verdienst von Peter Kaiser ist also seine Rolle für die Stiftung einer liechtensteinischen Identität. Sie war nicht nur auf den Fürsten, sondern auch auf das Volk begründet, das er sich selbst finden half.» 16  Eine umfassende Untersuchung zur liechtensteinischen Historio- graphie fehlt. Vgl. dazu etwa Buchbinder/Weishaupt: Bild des Fürsten (2004). 17  Die landschaftliche Verfassung kann insofern als proto- oder vor- demokratisch gelten, als sie Teilen der Untertanenschaft (den wehrfähigen Männern) Partizipationsmöglichkeiten einräumte und demokratische Verfahrenselemente (Wahlen, Versammlun- gen) enthielt. Blickle geht von einer «demokratischen und einer monarchischen Komponente des landschaftlich verfassten Staa- tes» aus (Blickle: Landschaften, 1973, S. 568 f.), stiess damit aber auf Widerspruch (vgl. Krüger: Landständische Verfassung, 2003, S. 71). 18  Vgl. dazu u.a. Kaiser: Geschichte 1847 (1989), Band 1, S. 442–473; Seger: Von Hohenems zu Liechtenstein (1958); Press: Entstehung (1981); Vogt: Wendepunkt (1999); Arnegger (2012). 19 Vgl. zu ihm Burmeister: Ferdinand Karl (2012). 20 Vgl. zu ihm Burmeister: Jakob Hannibal III. (2012). 21  Zu den Grafen von Hohenems vgl. u.a. Welti: Hohenems (1930); Schröder: Hohenems (1987); Arnegger: Spanien (2009); Arneg- ger-Edelmayer: Hohenems (2011): Burmeister: Hohenems (2012). Vgl. auch den Beitrag von Katharina Arnegger auf S. 61–79 in diesem Jahrbuch. 22 Vgl. Arnegger: Spanien (2009). 23  Vgl. ÖStA/HHStA, RHR, Jud., Den. Rec. 261/9, fol. 85r (ca. 1683): «Unvorgreiflicher entwurff. Craft die beede herrschaftn Vaduz und Schellenberg jährlich getragn und dargegn widerumb in auß- gab zurbrüngen ist». Vgl. auch Seger: Von Hohenems zu Liech- tenstein (1958), S. 102 f. 24 Vgl. Press: Reichsgrafenstand (1998), S. 129 f. Kapitel_1_Frommelt.indd   1922.10.12   13:20
        

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