Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/185/
183 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 111, 
2012 
und trachtete, die Gläubiger durch Bank-Obligationen vorläufig zufrieden zu stellen. Dass der Staat als Haupt- schuldner die Bank selbst übernommen hatte, erwies sich schon bald als gravierender Nachteil. Auch eine bald da- rauf vorgenommene Reform der Bankstatuten vermochte das Vertrauen der Gläubiger nicht wieder zu gewinnen und Fürst Johann Adam I. Andreas legte in der Folge seine Funktion als Präsident dieser ersten österreichischen Gi- robank zurück.26 Die Bestellungen zum Vertreter Kaiser Josefs I. (1678–1711) am schlesischen Fürstentag 1705 und beim ungarischen Reichstag in Pressburg 1708 bis 1710 sollten die letzten Funktionen sein, in denen Johann Adam I. Andreas dem Kaiserhaus zur Verfügung stand. Als der aus Spanien zurückgekehrte Karl VI. (1685–1740) den Fürsten im Sommer 1711 als seinen Hauptgesandten beim Wahltag der Kurfürsten nach Frankfurt entsenden wollte, wies Johann Adam I. Andreas den Auftrag mit dem Hinweis auf seine stark angegriffene Gesundheit ab. Fürst Johann Adam I. Andreas starb am 16. Juni 1712 in seinem Sommerpalais in der Rossau an einem Schlag- anfall («schlagfluss»). Er hinterliess vier Töchter, aber keinen männlichen Erben und Nachfolger: Seine Söhne, die Prinzen Karl Josef (1684–1704) und Franz Dominik (1689–1711) starben im Alter von 20 beziehungsweise 22 Jahren noch vor dem Vater. Die Karolinische Li- nie war damit mit dem Tod von Fürst Johann Adam I. Andreas im Jahr 1712 erloschen. Die Bestimmungen des Testaments – es war 1711 nicht zuletzt unter dem Eindruck des völlig unerwarteten Ablebens von Prinz Franz Dominik verfasst worden27 
– sorgten für ungläu- biges Erstaunen. Fürst Anton Florian von Liechtenstein (1656–1721),28 der neue Regierer des fürstlichen Hauses, wurde von Johann Adam I. Andreas nur mit dem ihm rechtlich zustehenden unveräusserlichen Grundbesitz, dem so genannten Familienfideikommiss, bedacht. Den Löwenanteil des Besitztums und Reichtums teilten sich unter anderen seine Witwe, die hinterbliebenen Töchter sowie der noch minderjährige Grossneffe Prinz Joseph Wenzel (1696–1772),29 der auf diese Weise von 1712 bis 1718 auch Herr der neu erworbenen reichsunmittelbaren Herrschaften Schellenberg und Vaduz war.19 
 Falke, Geschichte (Anm. 2), S. 327–329 bietet eine Zusammenfas- sung aller von Fürst Johann Adam I. Andreas in den Jahren 1687 bis 1712 getätigten Ankäufe von Gütern und Herrschaften. 20  Reinhold Baumstark: Meisterwerke der Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein: Gemälde. Zürich u.a., 1980; Uwe Wieczorek, Maraike Bückling, Dirk Syndram: Meisterwerke der Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein. Skulpturen, Kunsthandwerk, Waf- fen. Bern, 1996, und zuletzt Johann Kräftner (Hg.): Die Sammlun- gen. Das Liechtenstein-Museum in Wien. München u.a., 2004. 21  Hellmut Lorenz: Liechtenstein palaces in Vienna from the age of the Baroque. New York, 1985, und derselbe: Nichts Brachtigeres kan gemachet werden als die vornehmen Gebeude. Bemerkungen zur Bautätigkeit der Fürsten von Liechtenstein in der Barockzeit. In: Evelin Oberhammer (Hg.): Der ganzen Welt ein Lob und Spiegel. Das Fürstenhaus Liechtenstein in der frühen Neuzeit. Wien, Mün- chen, 1990, S. 138–154 mit weiteren Literaturangaben. 22  Hellmut Lorenz: Domenico Martinelli und die österreichische Ba- rockarchitektur (= Denkschriften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, Bd. 218). Wien, 1991. 23  Friedrich Polleross: Utilità, Virtù e Bellezza. Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein und sein Wiener Palast in der Rossau. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 47. Wien, 1993, S. 36–52. 24 Falke, Geschichte (Anm. 2), S. 330. 25  Josef Mentschl: Samuel Oppenheimer. In: Neue Deutsche Biogra- phie 19. Berlin, 1999, S. 569–570. 26  Zur Banco del Giro vgl. Peter Eigner: «Trial and Error». Zur Ge- schichte der frühen Wiener Banken. In: Peter Csendes; Ferdinand Opll (Hgg.): Wien. Geschichte einer Stadt. Die frühneuzeitliche Residenz (16. bis 18. Jahrhundert). Wien, Köln, Weimar, 2003, S. 222–223 mit weiteren Literaturangaben. Als Nachfolger des Banco del Giro wurde 1706 die Wiener Stadtbank gegründet; vgl. Rudolf Fuchs: Die Wiener Stadtbank. Ein Beitrag zur öster- reichischen Finanzgeschichte des 18. Jahrhunderts (= Beiträge zur Neueren Geschichte Österreichs 8). Frankfurt am Main u. a., 1998. 27  Prinz Franz Dominik starb auf der Reise von Feldsberg nach Wien am 19. März 1711 im niederösterreichischen Wolkersdorf an den Pocken; vgl. Haupt, «Ein liebhaber der gemähl und virtu- osen» (Anm. 2), S. 195, Reg. 1926 und die folgenden darauf Bezug nehmenden Dokumente. 28  Michael Hörrmann: Fürst Anton Florian von Liechtenstein (1656– 1721). In: Volker Press und Dietmar Willoweit (Hg.): Liechten- stein – Fürstliches Haus und staatliche Ordnung. Vaduz, Mün- chen, Wien 
21988, S. 189–210. 29  Zu seiner Person vgl. Volker Press: Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein (1696–1772). Ein Aristokrat zwischen Armee, Kai- serhof und Fürstenhaus. In: Reinhold Baumstark (Hg.): Joseph Wenzel von Liechtenstein. Fürst und Diplomat im Europa des 18. Jahrhunderts. Einsiedeln, 1990, S. 10–23 und Gerald Schöpfer: Klar und fest. Geschichte des Hauses Liechtenstein (= Schrif- tenreihe der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Sozialge- schichte, Sonderband 2). Graz, 1996, S. 72–77. 18  Zahlreiche Beispiele für die genaue wirtschaftliche Prüfung von zum Kauf angebotenen Herrschaften finden sich in FLHA, Kart. 101–105: Herrschaftsakten in genere. Projekte von Gutsankäufen. Kapitel_8_Haupt.indd   18322.10.12   12:53
        

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