Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/161/
159 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 111, 20127 
 Der Vertrag mit den Untertanen der Herrschaft Schellenberg ist gedruckt in Claudius Gurt (Bearbeiter): Kaufvertrag der Herr- schaft Schellenberg 1699. Edition. Hrsg. vom Liechtenstein-Insti- tut. Vaduz, 1999, S. 130–132, jener mit den Untertanen der Graf- schaft Vaduz in Katharina Arnegger (Bearbeiterin): Kaufvertrag der Grafschaft Vaduz 1712. Dokumente zum Kaufvorgang zwi- schen den Grafen von Hohenems und den Fürsten von Liechten- stein. Hrsg. vom Liechtensteinischen Landesarchiv. Vaduz, 2012. S. 186–187. 8  Vertrag der Grafen Jakob Hannibal III. und Franz Wilhelm II. von Hohenems mit den Untertanen der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg vom 9. April 1688, gedruckt in: Claudius Gurt (Bearbeiter): Kaufvertrag der Herrschaft Schellen- berg 1699. Edition. Hrsg. vom Liechtenstein-Institut. Vaduz, 1999, S. 133–134. 9 Regent 1658–1705. 10  Um 1700 besass ein Gulden etwa die Kaufkraft, die heute 40 bis 50 Euro entspräche. (http://de.wikipedia.org/wiki/Gulden; 11. Juni 2012) 11  Leopold I., Regent 1658–1705. 12  Rudolf II., Regent 
1576–1612. 
ligen Römischen Reichs und zur Wahrung der Vorrang- stellung am Wiener Hof war jedoch die Aufnahme in das Reichsfürstenkollegium nötig. Das wiederum setzte den Erwerb einer Reichsherrschaft voraus. Zum besseren Verständnis seien hier ein paar Begriffser- klärungen und Erläuterungen zu den Institutionen des Heiligen Römischen Reiches vorausgeschickt: Der Begriff «Reichstag» bezeichnet die Versammlung der Reichsstände. Seit 1663 tagte der Immerwährende Reichstag als ständiger Gesandtenkongress in Regens- burg und existierte bis zur Auflösung des Heiligen Rö- mischen Reiches Deutscher Nation 1806. Er war die Vertretungsinstitution der Kurfürsten sowie der fürst- lichen und der nichtfürstlichen Reichsstände. Er bildete das massgebliche Gegengewicht der Stände gegenüber der kaiserlichen Zentralgewalt und setzte sich aus drei Kollegien zusammen: dem Kurfürstenrat, dem Reichs- fürstenrat und dem Städterat. Der Kurfürstenrat zählte 1692 neun Mitglieder. Dem Reichsfürstenrat gehörten die übrigen weltlichen und geistlichen Fürsten an so- wie Reichsgrafen, -freiherren und -prälaten. Um 1800 hatte das Reichsfürstenkollegium 100 Sitze, die sich auf eine geistliche Bank mit 37 Mitgliedern und eine welt- liche Bank mit 63 Mitgliedern verteilten. Die Mitglieder hatten je nach Bedeutung Viril- oder Kuriatstimmen. 94 Virilstimmen standen den Fürsten zu, die kleineren Gra- fen und Herren verfügten nur über sechs gemeinschaft- 
480’000 Franken und der Gesamtwert der Landschaften mit 6 bis 9,6 Millionen Franken zu beziffern. Zur unaufschiebbaren Schuldensanierung blieb nur noch der Verkauf von Herrschaftsgebiet. Ein erster Plan (1688) ging dahin, die Alpe Sücka, den Meierhof und verschiedene Lehengüter zu verkaufen. Ein zweiter Plan (1693) bestand darin, die drei an Graubünden angren- zenden Gemeinden Balzers, Triesen und Triesenberg abzutreten. Der Gesamtwert ihres Besitzes und ihrer Ein- künfte wurde mit 60’000 Gulden (heute 3 bis 3,6 Milli- onen Franken) errechnet. Beide Vorhaben waren nicht annähernd ausreichend zur angestrebten Sanierung. Der Kemptener Fürstabt Rupert von Bodman suchte mit den Gläubigern einen Ausgleich auf 50 Prozent der Schulden. Bei der angestrebten Schuldenregelung kam ihm einerseits entgegen, dass allein die Schuldfor- derungen der Landschaften 100’000 Gulden betrugen, eine riesige Summe, die den späteren Verkaufswert von Schellenberg annähernd erreichte. Zudem hatten längst nicht alle Gläubiger ihre Forderungen angemeldet. An- dererseits liessen sich die Gläubiger aus Graubünden nicht zu einem Vergleich ein und hofften auf eine weit- aus bessere Abfindungsquote. 1696 erhielt der Fürstabt vom Kaiser11 
den Auftrag, für die Herrschaft Schellenberg einen Käufer zu suchen. Im gleichen Jahr soll Jakob Hannibal der Landschaft, also den Untertanen, alle Herrschaftsrechte zum Kauf ange- boten haben. Ein solcher Freikauf wäre, wenn man ihre Schuldforderungen an den Grafen berücksichtigt, wohl möglich gewesen. Das Angebot sei dennoch abgelehnt worden, weil den Untertanen das Vertrauen in die Le- bensfähigkeit als eigenständiger Freistaat gefehlt 
habe. Bestrebungen des Fürstenhauses Liechtenstein Das Fürstenhaus Liechtenstein zählt zu den ältesten Adelsfamilien Österreichs. Mitglieder der Familie beklei- deten immer wieder höchste politische und militärische Funktionen im Reich und am Kaiserhof. 1608 wurde Karl I. von Liechtenstein (1569–1627) zum Dank für seine Treue von Kaiser Rudolf II.12 in den erbländischen Für- stenstand erhoben. Seine Brüder Maximilian (1578–1643) und Gundaker (1580–1658) erlangten 1623 den Rang von Reichsfürsten. Damit hatte das Fürstenhaus zwar im Wettlauf um Rang und Würde innerhalb der Adelshie- rarchie eine Standeserhöhung erreicht. Zur angestrebten politischen Mitbestimmung in Angelegenheiten des Hei- Kapitel_7_Ospelt.indd   15922.10.12   12:43
        

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