Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/158/
156Ospelt Alois: 1712–2012. 300 Jahre Liechtensteiner Oberland 
2012 
Geschichtliches, historischer Hintergrund des Jubiläums Zerfall der Landesherrschaft der Grafen von Hohenems Die Grafen von Hohenems hatten 1613 die Reichs- grafschaft Vaduz und die Herrschaft Schellenberg von den verschuldeten Grafen von Sulz erworben. Der Er- werb war Teil ehrgeiziger Pläne zur Gründung eines em- sischen Fürstentums vom Bodensee bis zur Luziensteig gewesen. Schon durch diese Expansionspolitik hatte sich das Haus Hohenems hoch verschuldet. Die damals gute Agrarkonjunktur liess jedoch den Zinsendienst erträg- lich erscheinen und die modern anmutende Spekulation der Grafen auf Geldentwertung schien zunächst zum Erfolg zu führen. 1662 hatte sich die Hohenemser Grafenfamilie in eine Linie Hohenems und Hohenems-Vaduz geteilt. Diese gingen fortan getrennte Wege. Die Spaltung ver- zettelte die politische und finanzielle Schlagkraft der Hohenemser. Ein vereinfachtes Stammtafel-Schema gibt einen Über- blick über das Haus Hohenems und zeigt einzelne Fa- milienmitglieder, die uns in der weiteren historischen Schilderung wieder begegnen: Am Beginn steht Graf Kaspar, der 1613 Vaduz und Schellenberg gekauft hatte. Er starb 1640 und mit ihm zugleich der letzte Hohenemser von politischem Format. Seine Nachfolger zeigten eine erschreckende Unfähigkeit zur Verwaltung ihres Landes, verbunden mit einer völ- lig unrealistischen Finanzpolitik. Verwiesen sei auf Franz Wilhelm I., der die Linie Hohenems-Vaduz begründet hatte, und auf dessen Söhne: die beiden älteren Ferdinand Karl und Jakob Hannibal III., die letzten hohenemsischen Landesherren von Vaduz und Schellenberg, sodann auf Franz Wilhelm II., verheiratet mit Aloisia (Luise) Josefa Prinzessin von Liechtenstein und deren Sohn Franz Wilhelm III. Im Laufe des Jahrhunderts ihrer Herrschaft in un- serem Land geriet die Grafenfamilie in immer grössere finanzielle Schwierigkeiten. Gründe dafür lagen in den kriegerischen Ereignissen jener Zeit. Die Bündner Wir- ren und der Dreissigjährige Krieg, verbunden mit Pest, Einquartierungen, Truppendurchzügen, Verwüstungen, brachten den Zinsendienst zum Stillstand. Es folgte eine Agrarkrise mit sinkenden Einkünften. Gleichzeitig 
Einleitung 2012 sind 300 Jahre seit dem Übergang der Landesherr- schaft über die Grafschaft Vaduz an das Fürstenhaus Liechtenstein vergangen. Im Auftrag der Oberländer Ge- meindevorsteher hat der Autor Ende 2008 Überlegungen zum Jubiläum des Kaufs der Grafschaft Vaduz durch die Fürsten von Liechtenstein 1712–2012 angestellt und eine detaillierte Konzeptstudie zur Begehung des Jubilä- ums erarbeitet.1 Auf dieser Arbeit basiert auch ein Vor- trag, den er für Stefanus Liechtenstein am 18. April 2012 im Haus Stein Egerta in Schaan gehalten hat. Der nach- folgende Text ist eine weitgehend unveränderte Fassung dieses Vortrags. Unser Interesse gilt vorrangig dem historischen Vor- gang selber. Es gilt zu wissen, was wir eigentlich feiern. Deshalb wird zuerst auf die drei Jahrhunderte zurück- liegenden geschichtlichen Ereignisse eingegangen und zusammenfassend darüber berichtet. Die Ausführungen sind gestützt auf vorliegende Lite- ratur2, 
besonders die grundlegenden Studien von Otto Seger über den Übergang der Herrschaft Schellenberg und der Grafschaft Vaduz an die Fürsten von Liechten- stein sowie spätere Beiträge von Volker Press über die Entstehung des Fürstentums Liechtenstein und Artikel weiterer Autoren in der Sammelpublikation «Liechten- stein – Fürstliches Haus und staatliche Ordnung» (1987). Ergebnisse jüngster historischer Forschungsarbeit sind nicht berücksichtigt. Verwiesen sei dazu auf den Fest- vortrag von Fabian Frommelt an der Jubiläumsfeier «300 Jahre Liechtensteiner Oberland» vom 22. Februar 20123, auf die von Katharina Arnegger bearbeitete Edition des Kaufvertrags von 1712 samt Dokumenten zum Kaufvor- gang4, auf die Sonderausstellung des Liechtensteinischen Landesmuseums «1712 – Das Werden eines Landes» und die dazu erschienene gleichnamige umfangreiche Publi- kation5, schliesslich auf die vom Liechtenstein-Institut aus Anlass des Jubiläums im April/Mai 2012 veranstal- tete Vortragsreihe.6 Im Anschluss an den historischen Teil folgen kürzere Exkurse, die in die Gegenwart führen. Sie gelten der Be- deutung der Huldigungen, den früheren Jubiläumsfeiern zum Herrschaftsübergang 1712 und damit zusammen- hängend den Örtlichkeiten staatlicher Jubiläumsfeiern und Festakte sowie den Beweggründen zur Begehung des Jubiläums und der Bedeutung einer Jubiläumsfeier heute. Kapitel_7_Ospelt.indd   15622.10.12   12:43
        

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