Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/149/
147 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 111, 201273 
Liechtensteiner Volksblatt vom 31. August 1937, Seite 1. 74  LGBl. 1937 Nr. 12: Fürstliches Handschreiben vom 22. Juli 1937 betreffend die Stiftung des fürstlich liechtensteinischen Ver- dienstordens und des fürstlich liechtensteinischen Verdienstzei- chens, dabei auch das Statut des Ordens. 75 Peter Geiger: Krisenzeit, wie Anm. 68, Bd. 1, S. 509. 76 Geiger: Krisenzeit, wie Anm. 68, Bd. 1, S. 504. 77  Geiger, Krisenzeit, wie Anm. 68, Bd. 1, S. 120. Harald Wanger: Franz Josef II. In: Historisches Lexikons des Fürstentums Liech- tenstein (in Vorbereitung). 78  Fürstlicher Erlass vom 30. März 1938, LGBl 1938 Nr. 9. Die Er- mächtigung zur Ausübung der Hoheitsrechte erfolgte auf dem Hintergrund des Anschlusses von Österreich an Deutschland am 12. März 1938. 79  Liechtensteiner Volksblatt vom 10. Mai 1938, Berichte aus den Gemeinden. 80 Liechtensteiner Volksblatt vom 10. Mai 1938, S. 1. 81 Liechtensteiner Volksblatt vom 17. Mai 1938, S. 1. 82 Liechtensteiner Vaterland vom 3. Juni 1939, S. 
2. 
Prinzregenten war auf den 14. August 1938 geplant, doch wurde diese nach dem Tod des Fürsten Franz I. (25. Juli 1938) auf das folgende Jahr verschoben. Die vie- len Empfänge und Huldigungen sollten vor allem eines: ein Bekenntnis zur Monarchie und zur staatlichen Selb- ständigkeit deutlich zum Ausdruck bringen. Die schriftliche Erklärung, das Land gemäss Verfas- sung und Gesetzen regieren zu wollen, gab der neue Fürst noch am Todestag seines Grossonkels ab. Die Huldigung am 29. Mai 1939 (Pfingstmontag) stand un- ter besonderen Vorzeichen. Fürst Franz Josef II. gab be- kannt, dass er seinen Wohnsitz nach Vaduz verlegen wollte. In den Reden wurde immer wieder auf die dro- hende Kriegsgefahr hingewiesen, die auf die Stimmung drückte. Liechtenstein sah sich als kleines, schutzloses Land. Landtagspräsident Pfarrer Frommelt pries die bie- dere, arbeitsame und bescheidene Mentalität der Liech- tensteiner. Landtagsvizepräsident Otto Schädler hob her- vor, dass Fürst Franz Josef II. seinen ständigen Wohnsitz nach Vaduz verlegt hatte und dadurch die Verbindung von Fürst und Land noch inniger geworden war: «Da- rin dürfen wir Ihren Willen erblicken, die Verbindung von Fürst und Volk noch fester, inniger und vor allem lebendiger zu gestalten, um unmittelbar und ohne Zwi- scheninstanzen teilzuhaben an den Freuden und Leiden Ihrer Untertanen.»82 
Angesichts des drohenden Welt- kriegs und der militärischen Schutzlosigkeit des Klein- staates setzte Schädler sein ganzes Vertrauen in den jungen Fürsten: «Liechtensteiner! Einer unserer besten 
stärkeren Loyalitätsbindung der Ausgezeichneten an Fürst und Land und damit der Kontinuität und Stabilität. Fürst Franz I. war bereits ein alter Mann, als er die Regierung antrat. Von ihm waren keine neuen Impulse mehr zu erwarten. Mit fortschreitendem Alter war er immer weniger in der Lage, die Aufgaben des Fürsten effektiv wahrzunehmen. In seinen letzten Lebensjahren lebte er fast ständig auf dem Jagdschlösschen Thalhof am Semmering.76 Er liess sich über die Landesangelegen- heiten informieren, konnte aber nicht mehr gestaltend eingreifen. Trotz seiner Appelle zur Einigung konnte er zur Beilegung der politischen Streitigkeiten nichts mehr beitragen. In einer Zeit der wirtschaftlichen Krise und des politischen Streits war die Monarchie ein stabilisierender Faktor, sie blieb als dauerhafte Institution sichtbar. Es brauchte nicht unbedingt einen aktiven Monarchen, aber es brauchte das «Bild des Fürsten». Franz Josef II. – Wohnsitzverlegung nach Vaduz Noch bevor Franz Josef II. (1906–1989) sein Studium als Forstingenieur begann, hatten sein Vater Alois und sein Onkel Franz jun. aus steuerlichen Gründen auf die Thronfolge verzichtet. Damit wurde Franz Josef 1923 Erb- prinz, noch im gleichen Jahr besuchte er erstmals das Für- stentum Liechtenstein. 1930 ernannte ihn Fürst Franz I. offiziell zu seinem Stellvertreter. In den folgenden Jahren besuchte er wiederholt das Fürstentum, gelegentlich ver- trat er den Fürsten bei offizieller Anlässen.77 Schliesslich wurde er von Fürst Franz I. nur knapp vier Monate vor seinem Tod als sein Stellvertreter mit der Ausübung der dem Landesfürsten zustehenden Rechte betraut.78 Sein Titel war Prinzregent. Am Sonntag, den 8. Mai 1938 besuchte Franz Josef II. die meisten Gemeinden. Die Empfänge waren vorge- zogene Huldigungsfeiern und standen unter der De- vise «Für Gott, Fürst und Vaterland».79 
In Schaan fand Pfarrer Johannes Tschuor in seiner Predigt «herrliche Worte» zum Satz: «Seid jeder menschlichen Obrigkeit Untertan um Gottes willen.»80 Als krönender Abschluss dieser Gemeindebesuche fand am Freitag darauf der Besuch in Vaduz statt, der mit Festreden, Fackelzug und Feuerwerk einen grösseren Rahmen hatte. Gemäss Volksblatt fanden sich über 3000 Personen aus allen Gemeinden dazu ein.81 Die offizielle Huldigung für den Kapitel_6_Vogt.indd   14722.10.12   12:40
        

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