Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/14/
12Marxer Adolf: Adulf Peter Goop 
1921–2011 
Adulf Peter Goop ein sehr guter und von väterlichem Gefühl erfüllter Lehrmeister. Nach anfänglichen Bo- tengängen konnte sich Adulf Peter Goop rasch in eine verantwortungsvolle Position emporarbeiten und über- nahm bald als Verhandlungspartner bei Prozessen im Gericht teil. Aufgrund seiner Kenntnisse im Rechtswesen bekam Adulf Peter Goop 1948 vom Staat die Konzession als Rechtsberater und Treuhänder. Während seiner 44-jäh- rigen Tätigkeit, in jahrzehntelanger Partnerschaft mit Dr. Peter Marxer, erlebte er die ganze Entwicklung des Finanzplatzes Liechtenstein 
mit. Heimat und Brauchtum Adulf Peter Goop’s Liebe zur Heimat und ihrem Brauch- tum drückte sich in vielen seiner Aktivitäten aus. 1965 gründete er die Liechtensteinische Trachtenvereinigung und war 33 Jahre lang ihr Obmann. In dieser Zeit wurde die Liechtensteinische Festtagstracht geschaffen, die auf historische Vorbilder zurückgreift. Mit grossem per- sönlichem Einsatz und auch viel Eigenmittel liess Adulf Forschungen über Beschaffenheit, Form und Farbe der Vorgängertrachten durchführen, um dem Lande Liech- tenstein ihre eigene Tracht zu verschaffen. Auch einige Musikvereine nahmen ihre Neueinkleidung zum Anlass, auf eine Tracht umzustellen, wobei bei allen Trachten der Schnitt einheitlich ist, deren Kolorit aber mit den Far- ben der Gemeindewappen übereinstimmen. Adulf Peter Goop bemühte sich auch sehr, die Nikolauskleider und die Gewänder der Sternsinger in geordneten Mustern auf- einander abgestimmt erscheinen zu lassen. In einem fei- erlichen Akt bekam die Liechtensteinische Trachtenver- einigung 2008 ihre eigene Vereinsfahne, die durch ihren Ehrenvorsitzenden Adulf Peter Goop vermittelt wurde. Die grosse Liebe zur Heimat widerspiegeln auch seine Buchwerke, die Volksbrauch, Dorfleben, religiöse Bräu- che und Volkskultur zum Inhalt haben. Besonders zu erwähnen sind hier seine Publikationen «Liechtenstein gestern und heute» (1973), «Brauchtum in Liechtenstein» (1986) sowie die Zeitschrift «Eintracht» (1992–2012). Ei- nige weitere Bücher beschreiben seine Sammlungen, wie die Publikationen «Das Ei, welch ein wunderbares Ding» (1989) und «Kostbare Ostereier aus dem Zarenreich» (1998). 
Nach einem reichen, sehr intensiven Leben und in einem begnadeten Alter hat Adulf Peter Goop die irdische Laufbahn beendet. Er ist im Beisein seiner Familie am Aschermittwoch, dem 9. März 2011 sanft und in tiefem Frieden in die Ewigkeit hinübergegangen. Es war wie ein leiser Windhauch, der ein Baumblatt fort trägt. Sein immenses Lebenswerk hat einen Abschluss gefunden, wohlgeordnet und in gute Hände weitergereicht. Adulf Peter Goop wurde in seiner Heimatgemeinde Schellenberg am 23. Februar 1921 als Zweitjüngster von acht Geschwistern geboren. Als er zwei Jahre alt war, verlor er seinen Vater Andreas Goop. Seine Mutter Frieda, geborene Elkuch, die zweite Frau seines Vaters, wurde schon mit 28 Jahren Witwe. Ihre Aufgabe war nicht leicht, fünf Mädchen aus erster Ehe des Vaters und drei Knaben aus der zweiten Ehe in der damaligen Zeit gross zu ziehen. Mit ihrer tief religiösen Einstellung und immenser Schaffenskraft hat sie das schier Unmögliche fertig gebracht. Adulf Peter Goop nahm nach der Schulzeit verschie- dene Arbeiten an, bis ihm der Besuch der Realschule Vaduz ermöglicht wurde, er konnte in dieser Zeit bei ei- ner von seinen Schwestern wohnen. Aus erspartem Geld seiner Hilfsarbeitertätigkeit konnte er später einen Han- delskurs im Marianum besuchen. Als Lagerist in einem Grossvertrieb, ebenso bei Waldarbeiten und gelegentlich auch im Steinbruch verdiente er sich in den folgenden Jahren seinen Lebensunterhalt. Im Jahre 1939 konnte er eine Bürostelle bei einem No- tar in Bregenz antreten. Durch seine Zuverlässigkeit ent- wickelte sich ein gutes Verhältnis zu seinem Arbeitgeber, der ihm dann auch anspruchsvolle Geschäftsgänge zur selbstständigen Erledigung anvertraute. Zu dieser Zeit war Adulf Peter Goop auch Pfadfinderführer in Schellen- berg und erlebte in dieser Funktion die Auseinanderset- zungen mit einzelnen Nationalsozialisten. Als er an sei- nem Arbeitsort den Hitlergruss nicht aussprach, sondern mit «Grüss Gott» den Arbeitstag begann, musste er seine Dienststelle in Bregenz aufgeben. Sein Weg führte dann nach Genf zu einem Landwirtschaftsbetrieb. Dort konnte er neben der bäuerlichen Arbeit die französische Spra- che erlernen. Zur grossen Freude von Adulf Peter Goop war es ihm 1941 möglich, durch Vermittlung von Regierungs- chef Dr. Josef Hoop eine Stelle im Rechtsanwaltbüro von Dr. Ludwig Marxer in Vaduz anzutreten. Dieser war für Kapitel_00_Nachruf.indd   1222.10.12   12:06
        

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