Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/134/
132Vogt Paul: «Das Band weben, welches Fürst und Volk enger 
verbindet» 
vom Ruin bedroht war; doch der Fürst lehnte die Spiel- bank aus moralischen Gründen entschieden ab. Er wollte den 800-jährigen guten Namen seines Hauses nicht mit einer Spielbank in Zusammenhang bringen. Anlässlich des Besuchs im Herbst 1920 kam es zu den sogenannten Schlossabmachungen, die den entscheidenden Durch- bruch für eine neue Verfassung brachten. Dass der Fürst selten nach Vaduz kam, lag nicht da- ran, dass er nicht gerne reiste – im Gegenteil. Der Fürst war oft unterwegs und unternahm regelmässig grös- sere Reisen nach England, Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Dänemark und Griechenland.36 Bei seinen Besuchen in Liechtenstein machte er auch wiederholt Abstecher in die Schweiz. Ausserdem besass er eine Jacht im Mittelmeer. Aber Fürst Johann II. war kein Fürst zum Anfassen, er hielt lange Zeit Distanz zur Volksmenge. An Jubiläumsfeierlichkeiten zu seinen Ehren nahm er nicht teil. Anlässlich seines 25-jährigen Regierungsjubi- läums im Jahre 1883 bat er sogar ausdrücklich, auf Feier- lichkeiten zu verzichten.37 Dass der Fürst Festlichkeiten mied, wurde ihm keineswegs übel genommen. In der Regel wurde dies – zumindest im Volksblatt, also in der einzigen publizierten Meinung – sogar positiv kommen- tiert: Der Fürst sei sehr bescheiden und das passe gut zur alemannischen Mentalität. Bei seinem Besuch im Juli 1896 verzichtete der Fürst auf einen offiziellen Empfang. Der Fürst besuchte – was er bei seinen Besuchen in Liechtenstein nicht immer tat – fast alle Gemeinden und wurde «von der Bevölkerung überall enthusiastisch acclamiert.»38 Sein besonderes In- teresse galt dem Schloss Vaduz, das er renovieren lassen wollte. Ferner gewährte er den Landtagsabgeordneten, den Geistlichen, Beamten und Lehrern Audienzen. Und natürlich ging er auf die Jagd. Am Abend nahm er von einem Fenster im sog. Absteigequartier aus die Huldi- gung der Untertanen entgegen: Die Vaduzer Harmonie- musik spielte, der Männerchor sang, Landtagspräsident Albert Schädler hielt eine Ansprache – der Fürst spen- dete vom Fenster aus Applaus. Die Feier endete wie im- mer mit einem Hoch auf den Fürsten und dem Absingen der Landeshymne. Johann II. reiste nie für eine Feierlichkeit nach Va- duz. Anlässlich des 40. Regierungsjubiläums im Jahre 1898 mied der Fürst überhaupt alle Feierlichkeiten, egal ob in Wien oder in Vaduz. Der Landtag schickte daher eine «Jubiläums-Deputation» (Albert Schädler und Jo-hann 
Baptist Büchel), die vom Fürsten auf Schloss Eis- grub freundlich empfangen wurde. Das Volksblatt be- tonte deshalb, dass es eine Auszeichnung und ein Akt des besonderen Wohlwollens gewesen sei, «dass der Durchlauchtigste Landesvater nur aus seinem Fürsten- tume eine persönliche Huldigung durch eine Deputation entgegennahm.»39 1899 wollten die Unterländer den Kauf der Herrschaft Schellenberg durch die Fürsten von Liechtenstein mit einer würdigen 200-Jahrfeier begehen – Landesverwe- ser In der Maur (wohl eingedenk der grundsätzlichen Haltung des Fürsten gegenüber solchen Feierlichkeiten) begegnete dieser Idee mit Zurückhaltung. Die Unter- länder Vorsteher führten trotzdem eine Feier durch und schickten am 23. Februar 189940 eine Huldigungs- Adresse an den Fürsten, in der sie Gott für die gnädige Fügung dankten, dass sie unter das milde Fürstenszep- ter des durchlauchtigsten Hauses Liechtenstein gestellt worden waren. Am Sonntag darauf wurde in einer Feier ein Gedenkstein enthüllt, wobei wie üblich die verschie- denen Vereine (Feuerwehr, Veteranen, Sängerchor) und die Schulkinder eingebunden wurden. Der Lehrer als Festredner schilderte in einem Vortrag die traurigen Zu- stände zur Zeit der Grafenherrschaft und wie die Regie- rung der Fürsten von Liechtenstein nach dem Kauf für die arme Landschaft zum grössten Segen wurde. Zum Schluss folgte ein Hoch auf den Landesfürsten, dem na- türlich auch ein Huldigungs-Telegramm geschickt wurde. Unter Absingen der Landeshymne wurde schliesslich der Gedenkstein enthüllt. Am 22. Mai fand dann noch einmal ein offizieller Festakt in Eschen statt, der in einem grösseren Rahmen, aber mit vergleichbarem Programm ablief.41 Der Fürstenbesuch in Vaduz Ende Oktober 1901 fiel kurz aus. Der Fürst, der sich auf der Rückreise aus der Schweiz befand, lehnte alle offiziellen Empfänge ab. Im Liechtensteiner Volksblatt wurde erst nach der Abreise über den Besuch berichtet. Der Fürst besichtigte Schloss Vaduz und ging auf Bargella auf die Jagd. Ausserdem bewältigte er in einer halben Stunde den Fürstensteig.42 Bemerkenswert an diesem Besuch ist eine kleine Epi- sode, die zeigt, wie empfindlich man auf jede Kritik am Fürsten reagierte: Im Vorarlberger Volksblatt kritisierte ein «rechtlich (?) denkender Ruggeller», dass der Fürst die Gemeinde Ruggell nicht besucht hätte, wo die 1899 eingeweihte Pfarrkirche noch immer keinen Kirchturm Kapitel_6_Vogt.indd   13222.10.12   12:40
        

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