Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/132/
130Vogt Paul: «Das Band weben, welches Fürst und Volk enger 
verbindet» 
ren. Er war nie verheiratet, war eher menschenscheu und liess sich selten fotografieren oder malen.22 Öffent- lichen Veranstaltungen blieb er wenn immer möglich fern, bei Feierlichkeiten liess er sich durch einen Prinzen vertreten. Soweit bekannt hat er auch nie eine Rede ge- halten – ausgenommen kurze Dankesworte bei Audi- enzen. Ein wichtiger Grund für seine Zurückgezogenheit – aber wohl nicht der einzige – dürfte seine «leidende Gesundheit» gewesen sein, die ihn seit seiner Jugend zu grosser Schonung zwang.23 Worin sein Leiden bestand, wird nirgends näher beschrieben. Wenn er trotz seiner schwachen Konstitution 89 Jahre alt wurde, so verdankte er dies seinem disziplinierten Lebensstil. Um das kurze Lebensbild abzurunden, sei schliesslich noch erwähnt, dass er in den letzten beiden Lebensjahren fast völlig er- blindete. Aus Liechtenstein kamen immer wieder Bitten, der Fürst möge doch sein Fürstentum besuchen. Insgesamt besuchte er sein Land achtmal: 185924, 186625, 189626, 190127, zweimal 191928, 192029 und 192530. Auf die Bitten seiner Liechtensteiner, häufiger zu kommen, reagierte er meist mit vagen Versprechen. Seine Besuche wurden in der Regel kurzfristig bekannt gegeben. Mindestens vier geplante Besuche – einer im Sommer 186031, einer bei Kriegsausbruch im Juli 191432, einer im Juli 192233 und sein letzter im Oktober 192634 – wurden kurzfristig ab- gesagt. Fünf der acht Besuche dienten auch der Bewälti- gung von Krisen in Liechtenstein: Sein erster Besuch im Jahre 185935 erfolgte nur 14 Tage, nachdem der Stände- landtag auf einer neuen Verfassung insistiert hatte. Der Fürst befand sich auf einer Reise nach Italien und machte in Vaduz einen Zwischenhalt. Er konnte zwar die Be- völkerung beruhigen, doch stiegen danach die Erwar- tungen in den baldigen Erlass einer neuen Verfassung. Sein zweiter Besuch im Jahre 1866 diente der Glättung des Unmuts, der sich in der Bevölkerung wegen des Truppenausmarschs ins Südtirol breit gemacht hatte. Zur allgemeinen Genugtuung übernahm der Fürst den Grossteil der Kosten für den Ausmarsch. Der erste Be- such im Jahre 1919 stand wohl in einem Zusammenhang mit den politischen Umwälzungen in Europa und der in- nenpolitischen Krise in Liechtenstein. In dieser Situation erschien es dem Fürstenhaus sinnvoll und notwendig, in Vaduz vermehrte Präsenz zu zeigen. Dazu bot ein Be- such des Fürsten die beste Gelegenheit. Vermehrte Prä- senz und eine engere Bindung wurden auch dadurch 
In Liechtenstein hat er viel Geld für staatliche und kom- munale Aufgaben, Kirchen, Vereine usw. zur Verfügung gestellt und bekam deswegen den Beinamen «der Gute». Leider gibt es bis heute keine ausführliche Biographie des Fürsten. Seine Persönlichkeit ist schwer zu fassen. Er war einer der letzten adeligen Grandseigneurs und pflegte einen vornehmen, äusserst zurückgezogenen Le- bensstil. Er widmete sich vorwiegend der Kunst und sei- ner Kunstsammlung. Wenn er in Vaduz war, galt sein be- sonderes Interesse der Restauration der Burg Vaduz und – hierin zeigt sich der adelige Lebensstil – der Jagd. In der Politik zeigte er wenig eigene Initiative, oft übertrug er wichtige Geschäfte seinem Bruder Franz oder seinen leitenden Angestellten. Er zeigte sich aber am Landes- geschehen interessiert und liess sich darüber informie- Fürst Johann II. wurde 1896 mit einem Gedicht von Johann Baptist Büchel begeistert willkommen geheissen: «Wenn Andre ihrer Macht vertrauen, wir stolz auf unseren Fürsten schauen.» Kapitel_6_Vogt.indd   13022.10.12   12:40
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.