Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/130/
128Vogt Paul: «Das Band weben, welches Fürst und Volk enger 
verbindet» 
sung – änderte sich grundlegend. Landtagspräsident Karl Schädler sprach vom «segenvollen Prinzip der gesetz- lichen Freiheit», das die neue Verfassung prägte. Durch die neue Verfassung wurde ein Verkauf des Landes unmöglich gemacht. Schon Art. 1 bestimmte, dass das Fürstentum Liechtenstein ein «untheilbares und unveräusserliches Ganzes» bildet. In Art. 23 wurde noch einmal explizit eine Veräusserung des Landes oder eines Teils davon ohne Zustimmung des Landtags ausge- schlossen.14 Damit wurde dem Fürstenhaus verfassungs- rechtlich die Kompetenz entzogen, sein Fürstentum, wie das zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch möglich war, zu veräussern. Das Territorium15 und die Staatsregale – vor allem auch die Menschen – sind definitiv nicht mehr fürstliche Privatrechte, über die dieser frei verfü- gen kann. Das Verhältnis von Fürst und Volk hat sich somit fundamental verändert: Das Herrschaftsverhältnis ist kein persönliches Abhängigkeitsverhältnis mehr, son- dern durch das öffentliche Recht begründet. Dies musste Auswirkungen auf die Mentalität haben und zu Umge- wichtungen in den Wertvorstellungen führen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts änderte sich die ge- sellschaftliche und politische Bewertung der Huldigung. Die persönliche Unterwerfung unter die Befehlsgewalt eines andern Menschen schien entwürdigend. In allen deutschen Staaten wurde die Huldigung spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts de facto abge- schafft. An die Stelle des Huldigungseids auf eine Per- son trat der Eid auf die Verfassung: Diesen hatten nicht nur Beamte und neu eingebürgerte Mitbürger zu leisten, sondern auch die Monarchen bei ihrem Regierungsan- tritt. Die liechtensteinische Verfassung von 1862 enthält keine Verpflichtung für die Landesangehörigen, einen Huldigungseid zu leisten. Hingegen musste jeder «Regie- rungsnachfolger» (also der Fürst) vor Empfangnahme der Erbhuldigung durch den Landtag in einer schriftlichen Urkunde erklären, dass er das Fürstentum in Gemäss- heit der Verfassung und Gesetze regieren wollte.16 
Dazu musste der Fürst nicht persönlich anwesend sein, da eine schriftliche Erklärung reichte. Einen Eid auf die Verfas- sung zu leisten hatten auch die Landtagsabgeordneten, die Beamten und die Vorsteher der Gemeinden. Gemäss Gesetz vom 28. März 1864 über Erwerb und Verlust des liechtensteinischen Staatsbürgerrechts hatten neu einge- bürgerte Männer17 einen Staatsbürgerschaftseid zu lei- sten, dieser ersetzte den Untertaneneid. 
jener Zeit entsprechenden, möglichst pompösen Aufma- chung. Und nun war das Volk sehr begeistert, einen so leutseligen, einfachen Fürsten zu haben.»12 Diese Ausführungen von Alexander Frick beruhten auf der mündlichen Überlieferung; sie sind ein Beispiel wie Meinungen und Wertungen sich in Geschichtsbil- dern verfestigen und zu scheinbaren Tatsachen werden. Der Fürst löste durch sein blosses Erscheinen Begeiste- rung aus und war über jede Kritik 
erhaben. Huldigungen und Fürstenbesuche nach 1862 Seit der Aufklärung wurde die rechtliche Stellung der Untertanen mehr und mehr als Verletzung der natür- lichen Rechte und Freiheiten der Menschen empfunden. Liechtenstein verabschiedete sich erst mit der konstituti- onellen Verfassung von 1862 vom Absolutismus. Diese Verfassung behielt zwar das monarchische Prinzip bei, bedeutete aber trotzdem eine weitgehende politische Neuordnung. Die Gleichheit aller Landesangehörigen vor dem Gesetz, die Gewerbefreiheit, die Niederlas- sungs- und Auswanderungsfreiheit, die Vereinsfreiheit und mit einigen Abstrichen auch die Religions- und Pressefreiheit wurden durch die Verfassung garantiert. Die Rechtsstellung der Landesangehörigen – den Begriff Staatsbürger13 
sucht man noch vergebens in der Verfas- Die Wiederherstellung von Schloss Vaduz erfolgte in den Jahren 1904 bis 1914. Kapitel_6_Vogt.indd   12822.10.12   12:40
        

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