Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
111
Erscheinungsjahr:
2012
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_111/114/
112Haupt Herbert: Aufstieg und 
Konsolidierung 
Feldsberg und Eisgrub nach Graz. Die Pest ermöglichte es dem Fürsten erst wieder 1648 nach Feldsberg zurück- zukehren, wo er seine Herrschaften weitgehend verwü- stet und gebrandschatzt vorfand. Die grösste Bedrohung für die fürstliche Familie ging aber von den Rückforderungen aus, die in den 50er- Jahren des 17. Jahrhunderts erhoben wurden. Sie betra- fen die, je nach Sichtweise, zu Recht oder zu Unrecht erworbenen Güter und Herrschaften durch Fürst Karl I. während seiner Zeit als kaiserlicher Statthalter und Vize- könig von Böhmen. 1654 konfiszierte der böhmische Fis- kus die aus Wallenstein’schem Besitz stammenden Herr- schaften Schwarzkosteletz (Kostelec nad Černými lesy), Aurzinowes (Uhřiněves) und Skworetz (Škvorec), was einer Enteignung gleichkam. Um dem drohenden Pro- zess mit ungewissem Ausgang zuvor zu kommen, zahlte Fürst Karl Eusebius der böhmischen Hofkammer die en- orme Summe von 1’029’600 Gulden und erwarb damit die genannten Herrschaften zum weiten Mal, und dieses Mal auch unbestritten. Aber nicht nur die Forderungen des böhmischen Fiskus machten der fürstlichen Familie zu schaffen. Nun geriet auch das Wirken von Fürst Karl I. als Vorsitzender des berüchtigten Münzkonsortiums ins Visier der öffentlichen Kritik. Bei dem in Wien ausgetra- genen so genannten «Liechtenstein-Prozess» ging es um die astronomische Schadenssumme von 31‘276‘025 Gul- den, die, laut Anklage, Kaiser Ferdinand II. vorenthalten worden sein sollten, was von fürstlicher Seite vehement bestritten wurde.18 
Der aufwändig geführte Prozess zog sich in die Länge und endete 1665 schliesslich mit einem Vergleich. Die «Münz- und Konfiskationsläsionskommis- sion» als Ankläger, sowie die Hofkammer und Kaiser Leo- pold I. bestätigten, dass die Erwerbungen Fürst Karls I. von Liechtenstein rechtens erfolgt wären und verzichte- ten auf Schadensersatz. Der Kaiser begnügte sich im Ge- genzug mit den von Karl Eusebius im Namen der ganzen Familie angebotenen 275'000 Gulden Türkenhilfe. Karl Eusebius besass nach eigener Einschätzung nicht den politischen Machtanspruch seines Vaters Karl. Seine Fähigkeiten lagen auf anderen Gebieten, die, wie sich im Laufe der Zeit zeigen sollte, den Mangel an politischer Präsenz weitgehend wettgemacht haben. Bestens aus- gebildet und umfassend interessiert, wurde Fürst Karl Eusebius gleichsam zum Inbegriff des «adeligen Land- mannes». Seine zahlreichen erhaltenen Manuskripte weisen ihn zudem als wichtigen Vertreter der so genann- 
lau ein politisches Amt von Bedeutung. Karl Eusebius rechtfertigte seinen Rückzug aus der kaiserlichen Politik mit der Notwendigkeit, den eigenen ausgedehnten Herr- schaften persönlich und vor Ort vorstehen zu müssen. Nach der aus konfessionellen Gründen erfolglos ge- bliebenen mehr als dreijährigen Brautwerbung um Prin- zessin Anna Sophia von Pfalz-Sulzbach (1621–1651) heiratete Karl Eusebius 1644 Prinzessin Johann Beatrix von Dietrichstein (1625–1676) in der Metropolitankir- che zu St. Stephan in Wien. Die folgenden Jahre stan- den ganz im Zeichen der Schrecken und Verwüstungen, die die letzte Phase des Dreissigjährigen Kriegs mit sich brachte. Fürst Karl Eusebius flüchtete 1645 in aller Eile vor den vordringenden schwedischen Truppen aus Fürst Maximilian von Liechtenstein. Kapitel_5_Haupt.indd   11222.10.12   12:37
        

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