Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
110
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_110/67/
69 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 110, 201118 
 Ebenda, S. 31. 19  Hier und im Folgenden nach Mäder (1997), S. 34–38 sowie nach Ludwig (2000), S. 62. 20  Vgl. Unterkapitel «Tibetisch-mandschurische Beziehungen von 1720 bis 1913», insbesondere die Ausführungen zu «29 Punkte für die Verwaltung Tibets» (1793). 21  Mäder (1997), S. 34. 22  Ebenda. 23  Ebenda, S. 34–35. 24  Vgl. Unterkapitel «Britische Eingriffe bis zur Tibeter Unabhängig- keitserklärung von 1913». 25  Hier und im Folgenden nach Mäder (1997), S. 41–44 sowie nach Ludwig (2000), S. 71–72. 26  Ludwig, S. 71. 27  Mäder (1997), S. 42–43. 28  Ebenda, S. 
43. 
Widerrechtliche Besetzung 1950 Aufgrund einer Mitteilung, chinesische Spione seien in Tibet tätig, forderte die Regierung in Lhasa am 8. Juli 1949 alle seit 1947 in Tibet ansässigen Chinesen auf, das Land zu verlassen.25 Doch noch im selben Sommer entsandte die chinesische «Volksbefreiungsarmee» grös- sere Truppenverbände nach Tibet. Zeigten sie sich zuerst gegenüber der tibetischen Bevölkerung noch freund- lich, stachelten sie mit der Zeit die Kinder an, gegen ihre Eltern zu rebellieren, sich von den tibetischen Traditi- onen abzukehren und ihre Religion zu verleugnen. In China kam am 1. Oktober 1949 die kommuni- stische Partei an die Macht und deren Vorsitzender Mao Tsetung rief die Volksrepublik China aus. Ihrer Macht- übernahme war der erzwungene Rücktritt der Kuomin- tang-Regierung vorausgegangen. Die «Heimkehr Tibets ins chinesische Mutterland»26 
war eines der wichtigsten Ziele der neuen chinesischen Führung unter Mao Tse- tung. Bereits ein Jahr später, am 7. Oktober 1950, griff ein von Osten her kommendes zirka 40 000 Mann starkes Heer der chinesischen «Volksbefreiungsarmee» Tibet an sechs bis acht Stellen gleichzeitig an.»27 Da die tibe- tische Armee über keine moderne Kriegsausrüstung ver- fügte, konnten die Chinesen schon am 19. Oktober 1950 die strategisch wichtige Provinzhauptstadt von Kham,28 Chamdo, erobern und den Gouverneur und Militärkom- mandanten von Kham gefangen nehmen. Zwei Wochen nach Kriegsbeginn – 4 000 tibetische Soldaten und Offi- ziere hatten inzwischen den Tod gefunden – kapitulierte 
Delegation nach Lhasa, um eine Gesandtschaft in Tibet zu errichten. Im zweiten Weltkrieg beharrte Tibet darauf, neu- tral zu bleiben, und weigerte sich, als Transitland für Waffentransporte von Indien nach China zu fungieren. Diplomatische und internationale Beziehungen wurden hingegen ausgebaut: Anfangs 1940 begann die tibetische Regierung mit der Einrichtung eines Amtes für Auswär- tige Angelegenheiten in Lhasa. Kurz nach Kriegsende, im Frühjahr 1946, reiste eine tibetische Delegation nach Nanjing (China), um den Chinesen zum Sieg, den die Alliierten über Japan er- rungen hatten, zu gratulieren. Infolge Ausbruchs einer Krankheit mussten die tibetischen Delegierten ihren Aufenthalt in Nanjing verlängern. Nachdem sie diese Zeit genutzt hatten, um verschiedene Provinzen Chinas zu besuchen, kehrten sie wieder in Nanjing ein. Kurz vor ihrem Eintreffen hatte die Kuomintang-Regierung unter Chiang Kai-shek die verfassunggebende Natio- nalversammlung Chinas eröffnet. Die tibetischen Dele- gierten nahmen – nach Rückkehr von ihrer Rundreise – an dieser Nationalversammlung teil; aufgrund wider- sprüchlicher Quellen ist nicht klar, ob diese Teilnahme auf freiwilliger oder erzwungener Basis geschah. Da aber die chinesischen Vertreter den Standpunkt vertra- ten, Tibet unterwerfe sich durch seine Teilnahme an der Nationalversammlung der Kuomintang-Regierung, traten die tibetischen Vertreter unverzüglich ihre Rück- reise nach Tibet an. Trotzdem gelang es China, dafür zu sorgen, dass einzelne Tibeter dennoch an der National- versammlung teilnahmen. Die chinesische Regierung nutzte diesen Umstand, um zu erklären, Tibet sei ein Bestandteil Chinas. Als eine tibetische Delegation im März 1947 an der «Asian Relations Conference» im indischen Dehli teilnahm, zweifelte niemand an Tibets Staatlichkeit und Unabhängigkeit. Bei Besuchen einer tibetischen Handels- delegation in Indien, China, Grossbritannien, Frankreich, den USA, Italien und der Schweiz in den Jahren 1947/48 wurden die Reisepässe, welche die tibetische Regierung ausgestellt hatte, überall anerkannt. Bereits 1947 hatte Tibet sämtliche in Lhasa wohnhaften chinesischen Beam- ten aufgefordert, das Land zu verlassen. Kapitel_3_Frick_Good.indd   6926.07.11   13:45
        

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