Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
110
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_110/58/
60Županiã Jan: Der Erbe des Barons von Hirsch: Maurice Arnold Freiherr von 
Deforest-Bischoffsheim 
sitzer in der Tschechoslowakischen Republik» am 7. De- zember 1938 an die Kabinettkanzlei des Fürsten von und zu Liechtenstein in Wien sandte, sollte De Forest als Ent- schädigung für Eichhorn (Veveří) 77 Millionen tschecho- slowakische Kronen (mehr als 466'000 Pfund) erhalten haben – ein Betrag, der annähernd dem ursprünglichen Preis des Grossgrundbesitzes entsprach. Interessant am Bericht des erwähnten Verbandes ist aber, dass zusätz- lich zum Fall De Forest auch der Umfang der Bodenre- form und der geleistete Ersatz auch anderer Personen aufgelistet werden: So werden Entschädigungszahlungen für den bayrischen Kronprinzen Ruprecht, den bulga- rischen König (Zaren) und für den rumänischen König im genannten Bericht erwähnt. Aus dem Dokument geht jedoch nicht hervor, wie der Baron in diese exklusive Gesellschaft geriet. Der Verband der deutschen Gross- grundbesitzer mag wohl das Memorandum direkt auf Antrag von Fürst Franz Josef II. von und zu Liechtenstein erstellt haben, und aus näher nicht geklärten Umständen hat man die Person von Maurice Arnold De Forest für genauso bedeutend gehalten wie die Mitglieder europä- ischer Herrscherhäuser.50 De Forests Causa war höchstwahrscheinlich der ein- zige Fall, bei dem ein Grossgrundbesitzer bei Entschä- digungsverhandlungen mit der Tschechoslowakei einen solchen Erfolg erzielte. Als Quido Graf Thun eine ähn- liche Unterstützung und Schutz bei der italienischen Re- gierung anstrebte, antwortete Beneš, dass es sich im Falle De Forests um eine Ausnahme gehandelt hätte. Beneš hob ausserdem hervor, dass derjenige, der nach einen Staatsumsturz die Staatsangehörigkeit eines anderen Landes wählte, nicht mit einem Menschen verglichen werden kann, der diese Staatsbürgerschaft mit seiner Ge- burt erworben hatte. Im Falle De Forests ging es jedoch um eine pikante Sache, weil er in Paris geboren worden war, dank Adoption die österreichische Staatsangehörig- keit bekommen und die britische Staatsbürgerschaft erst dann im Jahr 1900 erworben hatte. Die Argumente von Beneš konnten zwar angefochten werden, doch sie wa- ren plausibel und besonders aus tschechoslowakischer Sicht gut nachvollziehbar. Beneš befürchtete nämlich, dass andere enteignete Grossgrundbesitzer ähnliche Ent- schädigungsforderungen stellen könnten. Gemeint wa- ren ehemalige Grossgrundbesitzer, die von der Bodenre- form betroffen waren und eine andere als die tschecho- slowakische Staatsbürgerschaft besassen. Darunter fiel 
blick wieder alles und erklärte, dass der Betrag zu niedrig wäre. Schliesslich konnte die tschechoslowakische Re- gierung mit einem entscheidenden Schritt die verfahrene Situation lösen: Sie liess den Baron wissen, dass es sich um ihr letztes Angebot handelt, und sollte keine Eini- gung erzielt werden, werde sie die Vereinbarung platzen lassen. Nach diesem Ultimatum stimmte De Forest dem Verkauf zu. Am 11. Juli 1925 wurde der Vertrag über die Übernahme und den Übernahmepreis des Besitztümer von Rossitz (Rosice) und Eichhorn (Veveří) zwischen den Vertretern von Maurice De Forest und dem Staat- lichen Tschechoslowakischen Grundbuchamt geschlos- sen. Die Tschechoslowakische Republik bezahlte dem Freiherrn aufgrund seines Vorschlags den vereinbarten Preis, dessen Höhe nach Umrechnung satte 45 Millionen tschechoslowakische Kronen betrug. Neben dem Acker- boden und anderen Grundstücken erhielt die Tschecho- slowakische Republik auch die Burg Eichhorn (Veveří), das Schloss Rositz (Rosice) mit Park und Schlosskapelle, die Spiritusbrennerei in Ritschka (Říčky) sowie die Zu- ckerfabrik und Brauerei in Rossitz (Rosice). Die Preisfrage ist aber nicht vollständig geklärt. Sollte die Tschechoslowakische Republik dem Baron tatsäch- lich 272 
000 Pfund ausgezahlt haben, wie Bruce Lock- hard behauptet, ging es umgerechnet um rund 45 Milli- onen Kronen, also etwa um die Hälfte des Schätzpreises der Herrschaft vor der Bodenreform.49 Aber laut Infor- mation, die der «Verband der deutschen Grossgrundbe- Baron De Forest wurde 1968 in Bendern beigesetzt. Kapitel_2_Zupanic.indd   6026.07.11   13:45
        

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