Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
110
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_110/57/
59 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 110, 201142 
 Die Abschriften der Urkunden sind archiviert in: AVA, AA, Defo- rest, Freiherrnstand 1899. 43  Aufgrund der k. k. Verordnung Nr. 245 vom 29. Juli 1916. Dufek, Pavel: Zaměstnanci Státního pozemkového úřadu (Angestellte des Staatlichen Grundbuchamts), S. 162 und 167. 44  Muhs, R.: Jews of German Background in British Policy, S. 184; Wrigley, Chris: Winston Churchill, S. 154. 45  Gesetz Nr. 215/1919 SlG. über die Besitznahmen des Grossgrund- besitzes (Zákon o zabrání velkého majetku pozemkového; auch Enteignungsgesetz genannt. 46  Es ist natürlich eine Frage, inwieweit diese Kontakte seine späte- ren Aktivitäten in Liechtenstein beeinflussten. 47  Vgl. zum Beispiel Skutil, Jan: Z Rájce na Veveří (Aus Rájec auf Veveří), in: Genealogická a heraldická ročenka 1978, S. 33; Dufek, Pavel: Zaměstnanci Státního pozemkového úřadu (Angestellte des Staatlichen Grundbuchamts). Auch für die folgenden. 48  Siehe Bruce Lockhardt, Robert Hamilton: Ústup ze slávy (Rück- zug vom Ruhm). Praha, 1935, S. 267–268 und 
270–271. 
tschechoslowakischen Behörden fast zwei Wochen lang, wobei auch nach dieser Zeit das höchste Angebot von Voženílek ganze 75 000 Pfund unter dem Minimum lag. Nach einer Beratung mit dem britischen Botschafter Clerk beschloss Bruce Lockhardt, Vabanque zu spielen. In der Folge bat er um ein direktes Treffen mit dem tschechos- lowakischen Aussenminister Edvard Beneš. Er teilte ihm wahrheitsgemäss mit, dass De Forest die Verhandlungen innerhalb von einigen Tagen abschliessen wollte, und sollte kein Kompromiss erzielt werden, würde die Tschechoslo- wakei ihre einmalige Gelegenheit verlieren, diesen unange- nehmen Kritiker loszuwerden. Botschafter Clerk infor- mierte Beneš auch darüber, dass De Forest im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen die Causa dem Haager Tri- bunal übergeben wollte. Ein solcher Schritt würde das internationale Ansehen der Tschechoslowakischen Repu- blik beschädigen, was wiederum einen Rückgang ihres Kreditprestiges auf dem Londoner und New-Yorker Geld- markt zur Folge hätte. Botschafter Clerk teilte Beneš auch den vom Baron festgelegten Mindestpreis mit. Dabei er- klärte er, dass der Endbetrag höher sein müsste, damit De Forest nicht denken würde, die Verhandlungen mit den tschechoslowakischen Behörden seien bewusst hingehalten worden. Beneš besprach den Fall mit seinem Sekretär Jan Masaryk, dem Sohn des Staatspräsidenten Tomáš Gar- rigue Masaryk – und zugleich ein Freund von Bruce Lockhard – und mit Ministerpräsident Antonín Švehla. Aus dieser Besprechung resultierte der Vorschlag eines neuen Kaufpreises, der nun um 272 000 Pfund erhöht wurde. De Forest überlegte sich aber in diesem Augen- 
auch auf seine Kontakte mit Winston Spencer Churchill und Frederick Edwin Smith. Ohne die Hilfe dieser mit ihm befreundeten Politiker und weiterer Mitglieder der britischen Elite hätte De Forest diesen Streit wohl nicht erfolgreich austragen können.46 
De Forest wurde auch unterstützt durch das 
Foreign Office in London. Für ihn setzten sich auch Abgeordnete des britischen Unter- hauses ein. Über De Forests Streitfall verhandelte auch der britische Botschafter in der Tschechoslowakei, Sir George Clerk. – Die britisch-tschechoslowakischen Be- ziehungen wurden ganze sechs Jahre von diesem Rechts- fall belastet. London wollte zwar seine Beziehungen mit seinem mitteleuropäischen Verbündeten nicht aufgrund der Interessen einer Einzelperson komplizieren und übte deshalb keinen allzu grossen Druck auf Prag aus. Trotz- dem war die ganze Causa für Prag höchst unangenehm.47 Ein interessantes Zeugnis zum Streit zwischen De Fo- rest und der Tschechoslowakei hinterliess der britische Diplomat, Journalist (und zugleich Geheimagent) Robert Hamilton Bruce Lockhart (1887–1970).48 Seiner Auffas- sung nach sollten De Forests Landgüter vor 1914 einen Wert von einer Million britischer Pfund gehabt haben, was tatsächlich eine grosse Summe war. De Forest wollte sein Vermögen zurückerhalten und lehnte alle Kompromisse ab. Über sechs Jahre lang zogen sich die komplizierten Verhandlungen hin, die meistens an der Ablehnung oder am übermässigen Zaudern des Barons scheiterten. Bruce Lockhart, der für einen Fachmann in der tsche- choslowakischen Problematik in Grossbritannien gehal- ten wurde, wurde vom britischen 
Foreign Office im Jahr 1925 als Vermittler für die Verhandlungen mit der Tsche- choslowakei empfohlen. Der Baron war mit der Wahl dieses Vermittlers einverstanden. De Forest bat in der Folge Bruce Lockhart, ihn bei der Prager Regierung zu- sammen mit zwei weiteren Vermittlern zu vertreten und einen definitiven Vergleich zu erzielen. Er hatte nämlich beschlossen, sich seiner tschechoslowakischen Land- güter zu entledigen, wobei er als dafür geforderte Ent- schädigungssumme den niedrigsten möglichen Betrag 250 000 Pfund nannte. Die Vermittler sollten ihrerseits zehn Prozent dieser Summe als Provision bekommen. Diese Vermittlungstätigkeit war keine leichte Aufgabe. Während der ersten Verhandlungen im Staatlichen Grund- buchamt bot dessen Präsident, Dr. Jan Voženílek, als Maximalkaufpreis einen Betrag an, der um fast 200 000 Pfund niedriger war. Bruce Lockhardt feilschte mit den Kapitel_2_Zupanic.indd   5926.07.11   13:45
        

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