Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
110
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_110/47/
49 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 110, 20111 
 Diese Studie entstand im Rahmen der Unterstützung der Studien- beihilfebehörde der Tschechischen Republik Nr. 404/08/0259. 2  Fröhlichsthal, Georg Freiherr von: Nobilitierungen im Heili- gen Römischen Reich. In: Sigismund Freiherr von Elverfeldt- Ulm (Hrsg.): Adelsrecht. Entstehung – Struktur – Bedeutung in der Moderne des historischen Adels und seiner Nachkommen. Limburg an der Lahn, 2001, S. 67–119. 3  Gritzner, Maximilian: Standeserhebungen und Gnaden-Acte Deutscher Landesfürsten während der letzten drei Jahrhunderte. Band 2. Görlitz, 1881, S. 563. 4  Mrvik, Vladimír J.: Lichtenštejnské palatináty a erbovní listiny (Liechtensteiner Palatinate und Wappenurkunden). In: Heraldika a genealogie, Vol. 40, 1–2/2007, S. 5–30. 5  Vgl. Andrian-Werburg, Klaus Freiherr von: Die Nobilitierung preussischer Untertanen in Sachsen-Coburg und Gotha. In: Ar- chivalische Zeitschrift, 75. Band (Heinz Lieberich zum 29. Januar 1980), 1979, S. 1–15. 6  Fürst Johann II. erhob beispielsweise mit dem in Bonn erstatteten allerhöchten Entschliessung vom 10. Mai 1859 seinen wirklichen geheimen Rat, Gesandten und bevollmächtigten Minister in der Deutschen Bundesversammlung Dr. Justin Timotheus Balthasar von Linde (1797–1870) in den Freiherrenstand. Mit dem aller- höchten Handschreiben vom 4. September 1866 und der Ur- kunde vom 23. Mai 1870 – nachstehend nur 4. September 1866 (23. Mai 1870) wurde der Titel vom österreichischen Kaiser Franz Joseph I. bestätigt. Österreichisches Staatsarchiv Wien, Allgemei- nes Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv (nachstehend nur AVA, AA), Justin Linde, Freiherrenstand 1866–1870. Aus der späteren Zeit ist die Erteilung des Grafenstands mit Prädikat «von Bendern» an Moritz (Maurice) Arnold Freiherrn De Forest (1879–1968) durch den Fürsten Franz I. im Jahr 1936 oder des Erbstands der Frei- herrn und des Grafenstands ad personam mit dem Prädikat «von Silum» an Heinrich Georg Stahmer (1892–1978), dem deutschen Diplomaten und Wirtschaftler bekannt. Geiger, Peter: Krisenzeit. Liechtenstein in den Dreissigerjahren 1928–1938, Band 2. Vaduz, Zürich, 20002, S. 401 und 497. 7  Da die Mischehen im Kaisertum Österreich nicht gestattet waren, musste ein Partner zum Glauben des anderen Partners übertreten oder sich zur konfessionslosen Person erklären. Meistens tat dies der jüdische Partner. In den Jahren 1911 bis 1914 waren die Ehen zwischen Katholiken und Juden fast zehnmal häufiger als die Ehen zwischen Katholiken und Protestanten. Goldhammer, Leo: Die Juden Wiens. Eine statistische Studie. Wien, 1927, S. 17 ff. Vgl. auch Wistrich, Robert S.: Die Juden Wiens im Zeitalter Kaiser Franz Josephs. Wien, Köln, Weimar, 1999, S. 
111–137. 
Bevölkerung mit der Zeit noch zu. Darüber gab es mehrere Gründe. Einen Grund bildeten zweifellos die immer häufiger auftretenden Konvertierungen, bei de- nen Juden zum Christentum übertraten. Diese Konver- tierungen geschahen infolge des Drangs nach Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft, aber auch infolge einer Ehe- schliessung mit dem Partner einer anderen Konfession.7 Vor allem in den Reihen der jüdischen Elite verursachten die Konvertierungen schwere Verluste, und man muss vermutlich auch einige diskriminierende Anordnungen 
vollen Umfang nutzen und auch höhere Titel verleihen. Zu ihrer Ehre dient, dass sie sich im Unterschied zu etli- chen anderen deutschen Fürsten nie dazu erniedrigten, Handel mit den Nobilitierungen zu treiben. Dieser Han- del brachte einer Reihe von kleineren Herrschern nicht unbedeutende Einkommen.5 Eine Auflistung aller Liech- tensteiner Nobilitierungen im 19. und 20. Jahrhundert steht leider nicht zur Verfügung, und so sind nur ein paar wenige Fälle bekannt.6 Die bekannteste Einzelper- sönlichkeit, die vom Herrscher der Familie Liechtenstein je in den Adelsstand erhoben wurde, ist ohne Zweifel Maurice Arnold Deforest-Bischoffsheim. Gleichzeitig ist jedoch beachtenswert, dass man von der Vergangenheit und Abstammung dieses Mannes bis heute nur ganz wenig 
weiss. Eheallianzen des neuen Adels Es ist allgemein bekannt, dass Verwandtschaftsbezie- hungen im Falle des alten Adels auch im 20. Jahrhun- dert noch eine höchst wichtige Rolle spielten. Solche Verwandtschaftsbeziehungen ermöglichten manche Karrieren. Zudem verdeutlichen sie vielfach Hand- lungen und Zusammenhänge, die sonst nur schwer verstehbar wären. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine ähnliche Situation auch in der sogenannten zweiten Gesellschaft herrschte: Bekannt ist zum Beispiel, dass manche Industrie- und Bankierdynastien Ehe- bündnisse schlossen, die wirtschaftliche und gesellschaft- liche Konsequenzen hatten, und dass ähnliche Situationen in der Bürokratie und Armee herrschten. Familien- bündnisse sind auch quer durch die einzelnen Gruppen entstanden, da das verwertbare Kapital nicht nur das Vermögen, sondern auch die gesellschaftliche Position repräsentierte. Solche Bündnisse hatten wahrscheinlich eine noch stärkere Form bei der jüdischen Elite. Diese Gruppe war nämlich relativ kompakt und blieb sowohl für die Personen anderer Konfessionen, aber auch für die weniger wohlhabenden und weniger angesehenen Israe- liten verschlossen. Die jüdische Elite wurde auch geprägt durch das bestimmte Gefühl der Ausschliesslichkeit, in Verbindung mit der Überzeugung von der Ange- hörigkeit zum sogenannten auserwählten Volk. Diese Überzeugung nahm indes bei einem Teil der jüdischen Kapitel_2_Zupanic.indd   4926.07.11   13:45
        

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