Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
110
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_110/25/
27 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 110, 2011149 
 LILA RE 1911/385: Originalentwurf Stippergers. 150  LILA RE 1908/598: Stipperger an Regierung, 26. September 1908. 151  Ebenda. 152  Zu den Vorbereitungen für die Gründung vgl. LILA RE 1911/385: Durchführung der neuen Gewerbeordnung. Die gesetzlichen Be- stimmungen finden sich in LGBl. 1910, Nr. 3: Gesetz vom 30. April 1910 betreffend Erlassung einer neuen Gewerbeordnung, § 74. 153  LTP 1909, Tagesordnung für die Sitzungen vom 16. und 18. Dezember. 154  LGBl. 1910, Nr. 3: Gesetz vom 30. April 1910 betreffend Erlassung einer neuen Gewerbeordnung, § 74c. 155  Vgl. LILA RE 1911/385: Stippergers Originalentwurf, sowie LILA RE 1908/598 Vorschläge der Gewerbekommission zur Reform des Gewerbegesetzes, 29. März 1908; vgl. auch Ospelt 1972, S. 234 ff. 156  Vgl. LILA RE 1908/598: Vorschläge der Gewerbekommission zur Reform des Gewerbegesetzes, 29. März 1908. 157  Ebenda. 158  Ebenda. 159  LTP 1909, Tagesordnung für die Sitzungen vom 16. und 18. De- zember 1909. 160  Vgl. LTA 1909/L2: Annahme der Regierungsvorlage, Schreiben des Landtags an die Regierung 18. Dezember 1909. 161  Vgl. Hoch, Geschichte, 1991, S. 14 f. 162  Siehe LGBl. 1910, Nr. 3: Gesetz vom 30. April 1910 betreffend Erlassung einer neuen Gewerbeordnung. 163  Vgl. Beilage zum LVolksblatt vom 24. Dezember 1909. 164  Vgl. Kapitel «Spätere Initiativen zur Schaffung von Sozialversi- cherungen – ein Ausblick». 165  LILA RE 1925/3115: Statuten der Krankenkassa für die Baum- woll-Spinnerei von Jenny, Spoerry & Cie. in Vaduz, 1910. 166  LILA PA 103/34: Statuten der Kranken- und Pensionskassen für die Baumwoll-Weberei von Jenny, Spoerry & Cie. in Triesen, 1911. 167  Vgl. dazu Kapitel «Die Gründung von 
Hilfskassen». 
an die neuen gesetzlichen Mindestleistungen deutlich erhöhen mussten. Die Krankenkassa der Baumwoll-Spin- nerei Jenny, Spoerry & Cie. in Vaduz erhielt als erste der drei Betriebskrankenkassen noch im Dezember 1910165 neue, an die Mindestforderungen der nun gültigen Ge- werbeordnung angepasste Statuten. Die Weberei des Un- ternehmens in Triesen folgte nur wenig später im März 1911.166 
Im Falle der Triesner Weberei führte die neue Gewerbeordnung, respektive die dadurch verbesserten Versicherungsleistungen, zur Auflösung der seit 1896 bestehenden Männer-Krankenkassa,167 da mit den ver- besserten Versicherungsleistungen durch die Betriebs- kasse nun kein Bedarf mehr für eine Zusatzversicherung bestand. In der Generalversammlung des Vereins vom 7. Oktober 1911 wurde daher 
die «... Anregung des Obermeisters die Männerkasse mit der Fa- brikskasse zu vereinigen ... von allen anwesenden Mitglieder 
Kommission im Einvernehmen mit der Regierung neu getroffene Formulierung lautete damit wie 
folgt: «... das tägliche Krankengeld beträgt 50 Prozent des aus dem Mittel von acht Wochen sich ergebenden Lohnes jedoch nicht weniger als: für erwachsene männliche Arbeiter 1.20 Kronen für erwachsene weibliche Personen 1.– Kronen und für ju- gendliche Arbeiter 0.80 Kronen.» Für die meisten Fabrikarbeiter, und hier vor allem für die weibliche Arbeiterschaft, waren diese Änderungen irrelevant. Einzig Arbeiter mit einem überdurchschnitt- lichen Tagesverdienst, das heisst vor allem gut verdie- nende männliche Arbeiter, konnten von der Heraufset- zung des minimalen Taggeldes profitieren. Während den zwei Lesungen des Gesetzes gab es kaum Widerstand im Landtag. Die noch angebrach- ten Detailkorrekturen am Krankenversicherungsartikel dienten nur zur präziseren Formulierung.160 
Nachdem der Landtag die Regierungsvorlage mit den angeführten Än- derungen am 18. Dezember 1909 einstimmig verabschie- det hatte, wurde das Gesetz vom Fürsten in Wien am 30. April 1910 sanktioniert. Die neu geltende Gewerbeord- nung setzte einen Meilenstein in der liechtensteinischen Sozialgesetzgebung, indem sie erstmals Vorschriften für den Versicherungsschutz in der Privatwirtschaft enthielt und zugleich ein weit reichendes Versicherungsobliga- torium für alle Arbeitnehmer festlegte.161 In der Gewer- beordnung war ebenfalls eine obligatorische Unfallver- sicherung für die Fabriken und Gewerbebetriebe mit erhöhtem Risiko vorgesehen.162 In den Beratungen zur Gewerbeordnung wurden ausserdem weitere Sozialver- sicherungen, im Speziellen eine Alters- und eine Invali- denversicherung,163 mehrfach als wünschenswert ange- sprochen. Diese Ideen und Anregungen gingen aber weit über das soeben erarbeitete Gewerbegesetz hinaus und alle dahingehenden Planungen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Dennoch zeigt dies eindrücklich, dass kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine so- zialpolitische Aufbruchstimmung in Liechtenstein ein- setzte, welche zwar in den folgenden schwierigen Kri- sen- und Kriegsjahren kaum mehr erkennbar ist, aber nach Kriegsende sofort wieder aufflammte.164 Die neu erarbeitete Gewerbeordnung trat per 1. Ja- nuar 1911 in Kraft. Dies führte unter anderem dazu, dass in den Jahren 1911 und 1912 sämtliche bestehenden be- trieblichen Krankenkassen in Liechtenstein ihre Statuten ändern und die Versicherungsleistungen in Anpassung Kapitel_1_Vogt.indd   2726.07.11   13:44
        

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