Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
110
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_110/122/
124Rezensionen 
lager des KZ Ravensbrück bei Fürstenberg. Auf Dahms- höhe verrichteten von 1943 bis 1945 rund hundert männliche Häftlinge des KZ Ravensbrück Zwangsarbeit für eine Waffen-SS-Einheit, sie hausten in Baracken hin- ter Stacheldraht, die SS-Leute wohnten im Schloss. Nach Kriegsende 1945 wurde das in der Sowjetischen Besatzungszone liegende Anwesen zu einem «Umsied- lerlager» für deutsche Geflüchtete und Vertriebene aus Ostpreussen, Polen und den tschechoslowakischen Su- detengebieten. Ab 1948 war das Land Brandenburg Be- sitzer von Dahmshöhe, es stellte das Gehöft dem «Freien Deutschen Gewerkschaftsbund» zur Verfügung. Wäh- rend Jahrzehnten wurde es als «Kinderkurheim Dahms- höhe» geführt, nach der sogenannten Wende wurde daraus eine bis heute bestehende Bildungs- und Begeg- nungsstätte für Menschen mit geistigen Behinderungen. Entschädigungsverfahren nach dem Krieg Einige Jahre nach dem Kriegsende meldete Siegfried Bieber  seinen Anspruch auf das durch die NS-Reichsbe- hörden enteignete Vermögen an. Es betraf vorab das Gut «Dahmshöhe» in Brandenburg, das Berliner Mobiliar, das Sperrkonto und die Reichsfluchtsteuer. 1962 leistete die Bundesrepublik ein Zehntel des Werts als Ersatz. Da war Siegfried Bieber allerdings schon zwei Jahre tot, während die Witwe noch lebte. Sie hatten noch im März 1960, ein halbes Jahr vor Siegfrieds Tod, eine Stiftung für wohltätige und kulturelle Zwecke gegründet, die «Sieg- fried and Josephine Bieber Foundation», die aus einem Teil des Erbes alimentiert werden 
sollte. Quellen-Puzzle Die Historikerin Erika Schwarz war im Zug ihrer For- schungstätigkeit zum KZ Ravensbrück – in welchem üb- rigens 1944 die liechtensteinische Bürgerin Valeska von Hoffmann eingeliefert wurde – auf das KZ-Aussenlager Dahmshöhe aufmerksam geworden. Als sie nach dem Er- bauer des Schlosses fragte, stiess sie auf Siegfried Bieber. Darauf ist sie dessen Lebensweg an vielen Orten, in über dreissig Archiven und durch Anfragen bei Ämtern und Zeitgenossen nachgegangen, und aus den vielen Fährten und Quellen-Puzzleteilen ist ein Buch geworden. Trotz 
sucht. Sie erhielten sie schliesslich nach dem Krieg im November 1947. Da nach den US-Gesetzen eine dop- pelte Staatsbürgerschaft nicht gestattet war, sandten die Biebers ihre liechtensteinischen Pässe an die liechten- steinische Regierung zurück, dankten nochmals und er- suchten um Löschung aus der Bürgerliste. Die Regierung in Vaduz verlangte noch einen Nachweis für die Erwer- bung des US-Bürgerrechts, die Rückgabe des Heimat- scheins der Gemeinde Schellenberg sowie eine formelle Verzichterklärung auf die liechtensteinische Staatsbür- gerschaft. Danach gab die Regierung in Vaduz im Früh- jahr 1948 die Einbürgerungskaution von 30 000 Franken frei und entliess Siegfried und Josephine Bieber aus der liechtensteinischen Staatsbürgerschaft – sie war ihnen ein Jahrzehnt lang lebenswichtig gewesen. Ihr Wohnsitz blieb fortan New York. Zwar reisten sie wiederholt nach Europa, insbesondere ins Tessin nach Maroggia – ob auch einmal wieder in ihre zeitweiliges Passheimatland Liechtenstein, ist nicht 
bekannt. Schicksale der Familien Den Verwandten des Ehepaars Bieber erging es in der NS-Zeit unterschiedlich. Erika Schwarz hat auch deren in vielen Fällen schlimme Schicksalswege verfolgt. Die Verwandten von Josephine geb. Postalka wurden 1918 Tschechoslowaken und durchlebten von 1939 bis 1945 die deutsche Besetzungszeit im «Protektorat Böhmen und Mähren». Aus der jüdischen Bieber-Verwandtschaft gab es Personen, welche noch rechtzeitig an sichere Orte emigrieren konnten:  So nach den USA ein Bruder so- wie zwei Söhne der Schwester Therese, diese selber mit Tochter und Cousine nach London. Dagegen wurden, trotz auch von Seiten Siegfried Biebers von der Schweiz aus versuchten Fluchtanstrengungen, eine grössere An- zahl von engeren und entfernteren Angehörigen in Ber- lin, Danzig und andern deutschen Ortschaften schritt- weise enteignet, ghettoisiert, nach Polen deportiert, er- mordet. KZ-Aussenlager «Dahmshöhe» Das Gut Dahmshöhe wurde in den Kriegsjahren zu einem der immer zahlreicheren, schliesslich 40 Aussen- Kapitel_4_Hagmann.indd   12426.07.11   13:46
        

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