Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
110
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_110/117/
119 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 110, 
2011rei 
produzierte u.a. Kriegskarten und Propagandama- terial für die Ostgebiete und wurde zunächst noch als «kriegswichtig» eingestuft, im Frühjahr 1944, als immer mehr Ressourcen in die Rüstung abgezogen wurden, je- doch 
«stillgelegt». Ein Meilenstein der Liechtensteiner Zeitgeschichtsschreibung Das eindrückliche Werk von Peter Geiger zu Liechten- stein in den Kriegsjahren ist fraglos ein überragender Meilenstein in der Zeitgeschichtsschreibung des Für- stentums, auf den das Land stolz sein darf. Wer sich künftig mit jener Zeit auseinandersetzt, wird nicht an diesem Standardwerk vorbeikommen. Es ist das grosse Verdienst des Autors, dass er dieses «heisse Eisen» ange- packt und das Projekt beharrlich durchgezogen hat, auch wenn er nicht im Voraus wissen konnte, dass sein Vor- haben insgesamt eine derart grosse Akzeptanz finden würde. Angesichts der Brisanz einzelner Forschungs- ergebnisse ist diese fast durchwegs positive Aufnahme nicht selbstverständlich. Geiger weiss, wieso er beinahe beschwörend vor einer Instrumentalisierung für aktuelle politische Zwecke warnt, sind doch seine Erkenntnisse gerade auch für eine der beiden Regierungsparteien nicht sehr schmeichelhaft. Mit der bedingungslosen Of- fenlegung dieses dunklen Kapitels der Liechtensteiner Zeitgeschichte hat der Autor allen nachträglichen Ver- suchen zeitgenössischer Akteure, ihre damalige Rolle zu beschönigen, wie dies etwa Martin Hilti in der Festschrift zu seinem 80. Geburtstag versucht hat, definitiv den Bo- den entzogen. Die Auswertung der umfangreichen Quellen betreibt Geiger mit grosser Sorgfalt, stets geleitet von einem kri- tisch-wissenschaftlichen Blick. Als Schlüsseldokumente identifizierte Quellen werden umfassend vorgestellt, akribisch analysiert und in den zeitgeschichtlichen Kon- text eingeordnet. Vereinzelt – etwa im Zusammenhang mit der Eröffnung der Gesandtschaft in Bern – mag dies den Handlungsfluss etwas bremsen. Der Umfang des Werkes kann einem im ersten Mo- ment durchaus Respekt einflössen. Dank der ausgezeich- neten Lesbarkeit, der auch für den interessierten Laien sehr guten Verständlichkeit sowie nicht zuletzt aufgrund des äusserst spannenden Inhalts zerstreuen sich allfällige 
derei und ein gegenseitiges Abtasten, ohne dass der Fürst ein konkretes Anliegen vorbrachte. Angesichts des sich ändernden Kriegsverlaufs suchte der Fürst ab 1942 auch Kontakte zu britischen und US-Diplomaten, insbe- sondere mit Blick auf die fürstlichen Besitzungen und Vermögenswerte im Ausland. Ende 1944 eröffnete der Fürst die 1933 aufgeho- bene liechtensteinische Gesandtschaft in Bern wieder – Hauptziel war auch dabei die Rettung des fürstlichen Besitzes in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dadurch sollte die Souveränität des Landes international sichtbar gemacht und dem Fürsten mehr Einfluss auf die Aus- senpolitik verschafft werden. Innenpolitisch führte dies zu einem Eklat («Dezemberkrise»), da Franz Josef II. die Regierung vor vollendete Tatsachen gestellt hatte. Als Spätfolge dieses Zerwürfnisses erfolgte im Mai 1945 der Rücktritt von Regierungschef Hoop. Der Fürst wollte ohnehin die Nachkriegszeit und die Beziehungen zu den Alliierten und der Schweiz nicht durch die alte Re- gierung belastet sehen. Mit dem Näherrücken der Kriegsfronten intensivierte der Monarch seine Bemühungen, eine Bergung der Fürstlichen Sammlungen von Österreich nach Liechten- stein zu erwirken. Vorbehalte der Reichsbehörden ver- hinderten jedoch lange eine Ausfuhr. Ab Herbst 1943 schmuggelte der Fürst deshalb in seinem Auto zahlreiche kleinere Gemälde nach Vaduz, da er dank Diplomaten- pass nicht kontrolliert wurde. Bis April 1945 gelang doch noch die Überführung des grössten Teils der Sammlung nach Liechtenstein, teils mittels Täuschung der deut- schen Behörden. Die Mitglieder des Fürstenhauses lebten grösstenteils in deutschbeherrschten Gebieten, einzelne hatten die doppelte Staatsbürgerschaft (Liechtenstein und Deutsch- land). Ende 1944 / Anfang 1945 organisierte das Fürsten- haus die Evakuation von 31 Angehörigen vor der anrü- ckenden Roten Armee aus Wien nach Westen, Richtung Liechtenstein, mit einem Omnibus und einem Lastwa- gen. Mitte März trafen sie an der Liechtensteiner Grenze ein und wurden in Liechtenstein und den angrenzenden Gebieten untergebracht. Zum fürstlichen Besitz gehörten auch Industrieunter- nehmen. Das bedeutendste war der Elbemühl-Konzern mit Sitz in Wien, der ab 1938 einige «arisierte» Fabriken hinzu kaufte, teils offenbar unter zusätzlichen Zahlungen an die ehemaligen jüdischen Besitzer. Die Grossdrucke- Kapitel_4_Hagmann.indd   11926.07.11   13:46
        

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