Herausgeber:
Jahrbuch des HVFL
Bandzählung:
110
Erscheinungsjahr:
2011
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000326952_110/101/
103 Historischer Verein für das Fürstentum Liechtenstein, Jahrbuch Band 110, 
2011Gliederung 
und Schwerpunkte Der Aufbau des Werks folgt weitgehend dem chronolo- gischen Ablauf. Geiger reiht die Fülle an Informationen aus verschiedenen Bereichen aber nicht einfach chro- nikalisch aneinander, sondern gliedert den Stoff nach inhaltlichen Schwerpunkten. Es sind dies im Wesent- lichen das eigentliche Kriegsgeschehen und die damit verbundene Bedrohungslage, die Innenpolitik im Banne einer aggressiven nationalsozialistischen Bewegung im Lande, die zwischen der Schweiz und dem Dritten Reich lavierende Aussenpolitik sowie die Rolle des Fürsten. Allerdings lassen sich die einzelnen Bereiche nicht scharf voneinander trennen: 
«Alles griff ineinander, Krieg, Aussen- und Innenpolitik, Wirtschaft, Parteien, Ideologien, persönliche Erwartungen.» (Band 1, S. 312) Was der Autor bezogen auf 1940 konstatiert, gilt grundsätzlich für den gesamten Zeitraum. Überschneidungen und Wiederho- lungen lassen sich folglich nicht ganz vermeiden. Eine Besonderheit der Liechtensteiner Geschichte be- steht darin, dass sich – in weit stärkerem Mass als etwa im benachbarten St. Galler Bezirk Werdenberg – lokale Landesgeschichte und grenzübergreifende, internatio- nale Geschichte stets verschränken, ganz besonders in Krisen- und Kriegszeiten. Erstaunlich breite Akzeptanz Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialis- mus prägte und spaltete nach Geigers Einschätzung die liechtensteinische Gesellschaft so stark, wie es nur die Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert vermocht hatte. Dieser krasse Vergleich lässt erahnen, mit wie starken Emotionen das lange tabuisierte Thema bis in die Gegen- wart verbunden ist. Vor diesem Hintergrund würde es nicht überraschen, wenn Peter Geigers Forschungsvor- haben auf Widerstände und Ablehnung gestossen wäre. Umso erstaunlicher ist es, dass dies insgesamt – nach ei- genem Bekunden – keineswegs der Fall war. Dem Autor wurden von keiner Seite inhaltliche Auflagen gemacht, die er – wie er betont – auch nicht akzeptiert hätte. Der Zugang zu den Quellen war ungehindert möglich. Keiner der angefragten Zeitzeugen versagte ein Interview, bot ein solches doch auch die Chance, die eigene Sicht der Dinge darzulegen. Im Vorfeld des Forschungsprojekts 
nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewertete Quel- len vorbehaltlos offenzulegen, anderseits Vermutungen, offene Fragen sowie seine stets differenzierten Beurtei- lungen klar als solche zu deklarieren. Indem er die Na- men der handelnden Personen nennt, vermeidet der Au- tor Spekulationen und Verwechslungen, wird den dama- ligen Akteuren gerecht und bricht die Magie von Tabus. Forschungsstand und Quellenbasis Eine gründliche und umfassende Aufarbeitung der Ge- schichte Liechtensteins im Zweiten Weltkrieg fehlte bisher. Bis in die 1980er Jahre wurde die Kriegszeit – wenn überhaupt – höchstens oberflächlich thematisiert. Heikle Details blieben ausgespart, mitunter wurde auch beschönigt und verharmlost. Seither sind verschiedene, meist kleinere, auf Einzelaspekte ausgerichtete Studien erschienen, deren Mehrzahl von Peter Geiger selbst stammt. In jüngster Zeit sind noch die Untersuchungen der ebenfalls von Geiger geleiteten «Unabhängigen Historikerkommission» hinzu gekommen. Peter Geigers Werk stützt sich auf eine breite Quel- lenbasis. Ausgewertet wurden primär Unterlagen aus Archiven, namentlich aus dem Liechtensteinischen Lan- desarchiv und dem Hausarchiv des Fürsten, verschie- denen weiteren öffentlichen Archiven in der Schweiz und im Ausland sowie aus zahlreichen privaten Ar- chivbeständen. Daneben setzt der Autor aber auch auf mündliche Quellen: Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten hat er rund 50 Zeitzeugen befragt, da- runter verschiedene bedeutende, inzwischen grössten- teils verstorbene Akteure jener Zeit. Beigezogen hat Geiger auch zahlreiche gedruckte Quellen wie amtliche Publikationen, Presseorgane, Quelleneditionen und Er- innerungsliteratur. Geiger betont, dass das was damals öffentlich wahr- genommen wurde und das was erst im Nachhinein be- kannt wurde, nicht deckungsgleich ist: 
«In der Rückschau sind auch die seinerzeit öffentlich sichtbaren Vorgänge von den geheimen, damals den Zeitgenossen verborgenen Ak- tionen zu unterscheiden.» (Band 1, S. 242) Das bedeutet zweierlei: Einerseits ist dies im Hinblick auf das Denken und Handeln der Damaligen stets im Auge zu behalten, anderseits relativieren sich dadurch die rückblickenden Äusserungen von Zeitzeugen. Kapitel_4_Hagmann.indd   10326.07.11   13:46
        

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