DIE GRENZSITUATION LIECHTENSTEINS IM ZEITLICHEN UMFELD DES ERSTEN WELTKRIEGES 
gen zu respektieren seien und „jede gewaltsame Widersetzlichkeit gegen Organe der fürstlichen 
Regierung zu vermeiden“ seien. Die Regierung gab schliesslich unter diesen Bedingungen ihre 
Zustimmung zur Öffnung „des unteren Weges von Mauren nach Hub während der Tagesstunden*.^ 
Die liechtensteinische Regierung hatte bereits im Mai 1922 bei der Grenzkontrollstelle Feldkirch 
beantragt, den Visumszwang für Einreisen nach Liechtenstein áhnlich wie mit der Schweiz aufzu- 
heben.* Im August 1922 führte dieser Vorstoss zum Erfolg: Die liechtensteinische Gesandtschaft 
Wien vereinbarte mit der ósterreichischen Regierung, den Visumszwang mit dem 1. September 
1922 aufzulassen.** 
Ein Grund für diese Entscheidung mag auch in Auswüchsen bei der Beanspruchung der Visa ge- 
legen sein, welche die Kronenentwertung gegenüber dem Schweizerfranken nach sich zog. So 
stellte die Grenzkontrollstelle Feldkirch in einer Beschwerde fest, dass die Vorschrift des kleinen 
Grenzverkehrs, dass die Ein- und Ausreise am gleichen Tag erfolgen müsse, von zahlreichen Be- 
wohnern Liechtensteins umgangen werde, indem sich diese für den ,lácherlichen Betrag" von 15 
Kronen ein Visum für den Fernverkehr beschafften. Dieses Visum erwarben ,vorzugsweise weni- 
ger erfreuliche Elemente ... lediglich, um die Nacht in Feldkircher Gastháusern durchzuzechen*.4 
Auf den r. Januar 1924 traten neue Abmachungen zwischen Liechtenstein und Ósterreich in 
Kraft:^^ Für den Grenzübertritt waren ein gültiger Reisepass erforderlich und ein Sichtvermerk 
der liechtensteinischen Regierung oder der Grenzkontrollstelle in Feldkirch vorgeschrieben. 
Dieser Sichtvermerk, der für eine Gebühr von einem Franken auf die Dauer eines Jahres erteilt 
wurde, berechtigte zum zweimaligen Übernachten. Weitere Bestimmungen galten für den Grenz- 
übertritt für Besitzer von Grundstücken im jeweils anderen Staatsgebiet und für Kollektiv-Sicht- 
vermerke für Vereine. In dringenden Fällen wie Todesfälle, schwere Erkrankung, Besuch eines 
Arztes waren die Grenzstellen ermächtigt, Passierscheine an vertrauenswürdige Personen mit 
höchstens eintägiger Gültigkeitsdauer auszustellen. 
Die oben angeführten Beispiele zeigen, dass in der Frage des Personenverkehrs nach dem Krieg 
eine gewisse Konfusion bestand. Diese war einerseits durch die staatlichen Auflösungserschei- 
nungen in Österreich bedingt, andererseits durch die personellen Fluktuationen heimkehrender 
Soldaten und Kriegsgefangener. Ähnliche Probleme ergaben sich auch durch solche Personen, 
welche aus unsicheren Gebieten in ruhigere, vom Krieg verschonte Staaten und Regionen zogen. 
In den Grenzgebieten entwickelte sich auch ein kaum mehr zu kontrollierendes Schmuggelun- 
wesen. Deshalb versuchten die Behörden durch verschiedene Massnahmen ihre Handlungs- und 
Entscheidungskompetenz zu erhalten. Für das liechtensteinisch-ósterreichische Grenzgebiet 
war ausserdem mitentscheidend, dass der Zollvertrag zwischen Liechtenstein und Ósterreich- 
Ungarn am 19. August 1919 gekündigt worden war. 
  
42 LLA RE 1918/5223ad5154, 
18. Dezember 1918; liechtensteinische 
Regierung an Bezirkshauptmannschaft 
Feldkirch. 
43 LLA RE 1922/2295, 23. Mai 1922; 
liechtensteinische Regierung an Grenz- 
kontrollstelle Feldkirch. 
44 LLA RE 1922/3823ad2295, 
19. August 1922; Gesandtschaft Wien 
an liechtensteinische Regierung. 
45 LLA RE 1922/3297ad2295, 
22. Juli 1922; Grenzkontrollstelle Feld- 
kirch an liechtensteinische Regierung. 
46 LLA RE 1924/2; Kundmachung 
vom 1. Januar 1924. 
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