Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/87/
Gesellschaft Liechtenstein hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen ra- santen Wandel von einer Agrargesellschaft zu einer Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft vollzogen. Der anhaltende und stürmische wirtschaftliche Aufschwung setzte insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg ein, nachdem bereits in den 1920er Jahren wichtige Rahmen- bedingungen hierfür gesetzt worden waren. Dazu zählt die wirtschafts- und aussenpolitische Orientierung zur Schweiz mit dem Zollvertrag 1923, die Einführung des Schweizer Frankens als Zahlungsmittel 1924, ein neues Steuerrecht 1923 und das für den Finanzplatz grundlegende Personen- und Gesellschaftsrecht 1926 (Marxer 2003b; Merki 2007). Der wirtschaftliche Aufschwung lässt sich anhand zahlreicher Kennzahlen aufzeigen, seien dies die Staatseinnahmen, das Brutto - inlandprodukt, die Industrieexporte, die Bilanzsumme der Banken oder viele weitere Indikatoren. Stellvertretend für andere Indikatoren kann hier auf die Zahl der in Liechtenstein Beschäftigten und der Zupendler aus dem Ausland verwiesen werden. Noch Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Landesbevölkerung aufgrund anhaltender Auswanderung ab. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung trotz damals hoher Geburtenrate nur langsam, die Zahl der Beschäftig- ten sank in der Krisenzeit der 1930er Jahre sogar. Seit den 1940er Jahren nahm nicht nur die Wohnbevölkerung, sondern auch die Zahl der Be- schäftigten markant zu. Betrug die Beschäftigtenzahl 1930 noch 4586, lag sie 2005 auf dem Stand von 30170. Diese Beschäftigungszunahme konnte nur durch Zuwanderung aus dem Ausland, kombiniert mit einer Zunahme von beschäftigten Grenzgängern aus dem benachbarten Aus- land, gedeckt werden. Der Anteil der Ausländer an der Wohnbevölke- rung beträgt aktuell rund ein Drittel, der Anteil der Ausländer an den Beschäftigten in Liechtenstein rund zwei Drittel, der Anteil der Grenz- gänger an den Beschäftigten fast 50 Prozent (Tab. 6). Mit dem wirtschaftlichen Wandel gingen eine aussergewöhnliche Wohlstandsentwicklung und ein fundamentaler gesellschaftlicher Wandel einher. Auf der Makroebene generierten florierende und vielsei- tige Gewerbe- und Industriebetriebe sowie die Unternehmen des Fi- nanzdienstleistungssektors eine Vielzahl an Beschäftigungsprofilen, was neben der massiven Zuwanderung auch eine anhaltende Bildungsmobi- lisierung in der liechtensteinischen Bevölkerung auslöste. Für die einhei- 87 
Mediensystem, Politik und Gesellschaft
        

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