Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/80/
Durch die Dominanz der Tageszeitungen im Mediensystem ge- winnt die Parteibindung der Medien noch an Bedeutung und Einfluss auf die politische Kommunikation. Es ist evident, dass die Parteienori- entierung der Tageszeitungen auf deren Berichterstattung abfärbt. Dies betrifft insbesondere die innenpolitische Berichterstattung, kann aber auch Ausläufer haben in den Berichten über kulturelle, wirtschaftliche, sportliche oder andere Ereignisse. Die innenpolitische Berichterstattung folgt dem Muster, dass in Wort und Bild über die Vertreter der eigenen Partei sowie deren politische Aktivitäten, Vorstösse und Erfolge unkri- tisch und affirmativ berichtet wird, während die Tätigkeit des politi- schen Gegners kritisch verfolgt und kommentiert wird. Diesem System der sogenannten Ko-Opposition sind allerdings in- sofern Grenzen gesetzt, als sich beide Parteien – und damit auch beide Parteizeitungen – in der politischen Mitte mit weitgehend einheitlicher Ideologie verorten. Die beiden dominierenden politischen Kräfte sind zudem seit 1938 fast ununterbrochen in einer gemeinsamen Regierungs- koalition miteinander verbunden. Die Zeitungen tendieren daher grund- sätzlich zu affirmativer Berichterstattung mit Verlautbarungstendenz und unterwerfen sich weitgehend den politischen Zwängen und Begehr- lichkeiten. Das gelernte Handwerk kann von den Medienschaffenden unter diesen Umständen nur unzureichend angewandt werden, was eine starke Abwanderungstendenz aus dem Beruf zur Folge hat.34Es muss al- lerdings erwähnt werden, dass die Ansprüche der Parteien nicht der ein- zige Faktor sind, der die kritische Berichterstattung behindert. Die Kleinräumigkeit und die Empfindlichkeit des Publikums führen eben- falls zu Zwängen und Erwartungen, die einer objektiven Berichterstat- tung abträglich sind. Die strukturelle Einkerkerung der Medien wird auch nicht durch funktionierende Kontrollorgane aufgeweicht. Eine Selbstkontrolle der Medien fehlt weitgehend, da sich der 1969 gegründete «Internationale Liechtensteiner Presseclub» auf eine positive Darstellung Liechtensteins im Ausland und allenfalls die Disziplinierung der Medienschaffenden im eigenen Land konzentriert, während der 1999 mit journalistischem An- 80Rahmenbedingungen 
öffentlicher Kommunikation in Liechtenstein 34Zur Lage der Medienschaffenden ausführlich bei Marxer 2004, 246 ff. Bezeichnend ist, dass die in einer schriftlichen Umfrage befragten Medienschaffenden zu 100 Pro- zent die «neutrale Berichterstattung» als Ziel in ihrer Berufsauffassung angaben (Schweiz: 92 Prozent). Vgl. Marxer 2004, 281.
        

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