Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/71/
politischen, kulturellen und sozialen Rahmen abspielt. Dieser ist nicht nur geprägt von einer generellen quantitativen Ressourcenschwäche, die auch qualitative Einbussen nach sich ziehen kann. Kleinheit bedeutet auch stärkere Verletzbarkeit, stärkere soziale Kontrolle, stärkere Verant- wortlichkeit des Individuums für die Gesellschaft, bezogen auf die öf- fentliche Kommunikation möglicherweise auch eine unterentwickelte Diskussions- und Streitkultur. In seinem Resümee zum politischen Sys- tem Liechtensteins kommt Waschkuhn zum Schluss: «Der Klein(st)staat Liechtenstein (...) ist charakterisiert durch Konkordanz oder Ko-Op- position, Konfliktvermeidung, Kompromissfähigkeit und Kooptation, aber ebenso durch Kontrollverdünnung und Nicht-Entscheidungen. Liechtensteins Orientierungsnormen sind allgemein: Mitte – Mischung – Mässigung.» (Waschkuhn 1994, 391) Vor diesem Hintergrund erscheinen die von Neidhart bereits 1982 hervorgehobenen Besonderheiten der politischen Kommunikation im Kleinstaat – bei ihm bezogen auf den Fall Schweiz – auch für Liechten- stein ebenso und nach wie vor plausibel (Neidhart 1982b). Die geringe Grösse der Schweiz ist für Neidhart eine elementare Bestandesbedin- gung für das politische Kommunikationssystem: «Tatsächlich bestimmt dieses Merkmal der Kleinheit fast alles, was mit dem Phänomen der öf- fentlichen Meinung zu tun hat und dies sogar in ganz erheblicher Weise. Sie bestimmt die Prozesse der Beschaffung, der Übertragung, der Mani- pulation und der Kontrolle von Informationen. Sie hat einen Einfluss auf die Struktur und die Autonomie der Kommunikationsmedien, und sie bestimmt schliesslich auch die politischen Aufmerksamkeitsregeln sowie die Themen- und Bewusstseinsstrukturen und mit alldem eben die öf- fentliche Meinungsbildung.» (Neidhart 1982b, 452) Wenn man Ereignisse als Ausgangspunkt von Kommunikations- prozessen ansehen will, könnte zunächst vermutet werden, dass die Er- eignisvielfalt in kleinen Gebilden geringer ist als in grösseren. Wasch- kuhn hat für den Fall Liechtenstein den Begriff der «strukturellen Ereignislosigkeit» geprägt, bezogen insbesondere auf die relative Wir- kungslosigkeit von Wahlen im direktdemokratischen, konkordanten po- litischen System (Waschkuhn 1994, 391; 1990, 39 f.). Dem kann aller- dings entgegen gehalten werden, dass sich Ereignisse auf lokaler, regio- naler, nationaler oder internationaler Ebene zwar in vielerlei Hinsicht unterscheiden, aber generell auf allen Ebenen eine Ereignisvielfalt mög- lich ist. Neidhart (1982b, 455) sprich hierbei von «Massstabsverände- 71 Kleinräumigkeit
        

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