Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/46/
mit anderen Faktoren auf Kommunikationsbotschaften zurechenbar sind (vgl. Schulz 1982), und obschon die einschlägige Wirkungsfor- schung von ihren sozialpsychologischen Anfängen an vornehmlich an der Beeinflussung von 
Einstellungender Rezipienten durch Kommu - nika tions botschaften interessiert war, wird in der öffentlichen Wahr - nehmung vielfach gerade die kurzfristige Beeinflussung 
individueller Meinungen(mit der Folge entsprechender Verhaltensweisen) mit dem Begriff der Kommunikationswirkung gleich gesetzt (vgl. Bonfadelli 2001, 342). Das mag mit dem publizistikwissenschaftlichen Stellenwert des im Grunde paradoxen «Kollektivsingulars» (Luhmann 2000, 302) 
öffent - liche Meinungzu tun haben, den man auf mikroskopischer Ebene durch ein analogiefähiges Konzept kofundiert wissen will. Jedenfalls hat sich in der publizistik- und kommunikationswissenschaftlichen Literatur die Rede von den 
meinungsbildendenEffekten der Kommunikation weithin durchgesetzt, während das in Psychologie und Soziologie gebräuch lichere Konzept der 
Einstellungseltener anzutreffen ist. Tat- sächlich sind aber in Bezug auf 
Meinungdie begrifflichen Bemühungen kommunika tionswissenschaft licher Provenienz im Ergebnis eher vage geblieben. Meinenist nach Kant ein «unzureichendes Für-wahr-Halten», das sich meist implizit auf bestimmte grundlegende Werthaltungen beruft. Viel zitiert wird die Formulierung Luhmanns (1970, 4), wonach Mei- nung «als vorübergehend verfestigte Ansicht des Richtigen, die gewisse Kontrollen der subjektiven Vernunft und der öffentlichen Diskussion durchlaufen» hat, begriffen werden kann. Das Meinen ist per se nicht an Wahrheit gebunden (vgl. Kepplinger 1996, 26 unter Bezug auf Popper und Hans Albert). Auch Axel Mattenklott (1996, 13) verweist im Zu- sammenhang mit dem Meinungsbegriff auf die Elemente Interpretation, Erwartung und Bewertung. Der Kommunikationswissenschaftler Bon- fadelli (1999, 89) hebt ebenfalls auf die subjektive Wissensbasis der Meinung und das Moment ihrer Labilität ab: «Meinungen bezeichnen das, was Personen über konkrete, stark individuell geprägte und sich rasch wandelnde Sachverhalte (...) denken bzw. zu wissen meinen.» Funktional gesehen dienen Meinungen der Deutung und Behandlung von Sachverhalten trotz Unsicherheit, das heisst, sie ermöglichen es, sich zu verhalten, auch wenn man nicht genau weiss, wie man ein Phänomen «richtigerweise» einzuschätzen hat. 46Öffentlichkeit, 
öffentliche Meinung und Demokratie
        

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