Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/292/
rungsbeitrag. Wie erwartet ist die politische Kompetenz der stärkste Prädiktor im Modell. Wer sich für Politik interessiert und die nötigen kognitiven Fähigkeiten mitbringt, wird die Argumente Für und Wider nicht nur kennen, sondern auch eine klare Haltung dazu entwickeln. Darüber hinaus hat auch die informationsorientierte Nutzung öffentlich verfügbarer Information zum Abstimmungsthema einen eigenständigen und positiven Effekt auf die Auseinandersetzung mit den Sachargumen- ten der Kampagne. Das heisst, je stärker die Stimmbürger von der öf- fentlichen Kommunikation im Vorfeld einer Volksabstimmung tangiert werden, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen auf Argumente basierten Stimmentscheid treffen. Da wir als unabhängige Variable den schon bekannten Summenindex zur Nutzung öffentlicher Kommunikation verwendet haben, handelt es sich streng genommen um einen Vielfaltseffekt: Je grösser die Zahl der Kommunikationskanäle (hier: Presse, Gespräche, Präsenzveranstaltungen, Abstimmungswer- bung u. a.), denen sich ein Stimmbürger zum Zwecke der Information zuwendet, desto eher wird er im Meinungsbildungsprozess die angebo- tenen Argumente und nicht nur verkürzte Hinweisreize verarbeiten. Neben diesen beiden Beziehungen zeigt die Schätzung zwei weitere er- wartbare Zusammenhänge. Danach steigt die Wahrscheinlichkeit für ar- gumentbasierte Strategien der Meinungsbildung, wenn der Stimmbürger einer Entscheidung hohe Relevanz beimisst, weil hierdurch seine Moti- vation, sich überhaupt mit der Thematik auseinanderzusetzen, positiv beeinflusst wird. Ausserdem hat das Alter der Stimmbürger einen posi- tiven Effekt, vermutlich weil das politische Interesse mit dem Lebensal- ter wächst. Ein kontraintuitiver (schwacher) Effekt geht schliesslich noch von der Disposition des individuellen Stimmentscheids aus. Die frühzeitige Festlegung auf ein Votum ging im hier geschilderten Fall mit verstärkter Beachtung der Sachargumente einher, nicht etwa mit kogni- tiver Sparsamkeit. Dabei zeigt die detaillierte Analyse, dass es sich hier- bei in erster Linie um einen Effekt der frühzeitigen Festlegung auf das Nein-Votum handelt. Demnach waren vor allem die fest entschlossenen Nein-Sager in besonderer Weise motiviert und fähig, die verfügbaren In- formationen gründlich und aufwendig zu verarbeiten. Um über ein Mass für die inhaltliche Richtung und politische In- tensität argumentativer Überzeugungen zu verfügen, haben wir in einem zweiten Schritt für jeden Befragten die Summe der auf einer siebenpoli- gen Skala geäusserten Zustimmung zu vier Pro-Argumenten der Befür- 292Entstehung 
und Entwicklung der Bevölkerungsmeinung
        

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