Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/281/
ein Nachbar oder Verwandter sein, in politischen Angelegenheiten aber auch ein populärer Abgeordneter oder Minister. Eine spezielle Variante dieser allgemeinen Vertrauensheuristik stellt auf überindividueller Ebene die Parteienheuristik dar. Sie orientiert das Urteil in politischen Sachfragen an der offiziellen Linie der Partei, an die sich ein Wähler län- gerfristig gebunden fühlt und entlastet dadurch vom aufwendigen Auf- finden und Abwägen aller verfügbaren Informationen zur Sache. Der Clou solcher Meinungsbildungsstrategien besteht nicht nur darin, dass anstelle einer Vielzahl mehr oder weniger komplexer Informationen nur noch ein einfaches «Informationsstückchen» benötigt wird. Der Kern- punkt des Arguments ist vielmehr, dass Bürger, die lediglich über dieses bruchstückhafte Hilfswissen verfügen, die gleichen Entscheidungen treffen können, wie solche, die eine umfassende Basis an Sachwissen generiert haben. Enzyklopädisches Wissen erscheint insoweit besten - falls als überflüssig, im schlimmeren Fall gar als schädlich (Lupia 1994; Lupia / McCubbins 1998; Popkin 1991; Sniderman u. a.1991). Die kommunikationswissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass politische Kampagnen dazu beitragen können, genau dieses Wissen zu vermitteln (Zaller 1992; Bartels 1993; Ansolabehere / Iyengar 1995; Al- varez 1997). Vor diesem Hintergrund gehen wir im Folgenden zunächst der Frage nach, welchen Informationswert die öffentliche Kommunika- tion im Abstimmungsprozess für die Stimmbürger tatsächlich besitzt. Den zuvor referierten Überlegungen folgend, operationalisieren wir den relevanten Wissenseffekt dabei in unterschiedlicher Weise: ein- mal als themenspezifisches Fakten- und Argumentationswissen, und da- rüber hinaus als nützliches Informationshäppchen, das die Anwendung der Vertrauensheuristik erlaubt. Um das Faktenwissen zu testen, wur- den den Befragten in der Abstimmungsumfrage 2003 insgesamt sechs konkrete Verfassungsbestimmungen vorgelesen, verbunden mit der Bitte, sie jeweils einer der beiden zur Abstimmung stehenden Initiativen korrekt zuzuordnen. Dabei wurden bewusst solche Verfassungsartikel gewählt, die eine hohe Medienaufmerksamkeit genossen hatten und zu- dem in beiden Initiativen deutlich unterschiedlich formuliert waren. Jede richtige Antwort wurde mit eins kodiert, sodass die Summenskala Sach- wissen zwischen null und sechs variiert. Im Mittel wurden von allen Be- fragten 3,801 (± 0,059) Aussagen richtig zugeordnet. Beide Teilskalen sind hoch positiv korreliert und lassen keinen signifikanten Wissensun- terschied bezüglich der konkurrierenden Initiativen erkennen. 281 
Kognitive Effekte der öffentlichen Meinung
        

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