Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/259/
lichkeiten ist, kann durch die Fallstudie nicht geklärt werden, ist aber ein hochrelevantes Thema für weitere Forschungen. Bemerkenswert ist weiterhin, dass die Erfahrung von Dissens im persönlichen Kommunikationsnetzwerk mit der Nähe zum eigentlichen Abstimmungsereignis zunimmt. Immerhin 14 Prozent der Stimmbe- rechtigten berichten im März 2003, dass sie in der Gesprächsöffentlich- keit überwiegend mit Menschen konfrontiert waren, die ihre Meinung nicht teilten. Vierzehn Monate vorher waren das noch acht Prozent. Die Zahlen spiegeln die kommunikative Zuspitzung der Kontroverse unmit- telbar vor der Abstimmung wider, die auch innerhalb der Gesprächsöf- fentlichkeit deutliche Spuren hinterlassen hat. Davon waren im übrigen die Vertreter des Contra-Lagers in überproportionalem Masse betroffen. Über 18 Prozent der Stimmbürger, die sich bei der Abstimmung gegen die Verfassungsrevision wandten, bewegten sich in den letzten Wochen der Kampagne gewissermassen in «feindlichen» Kommunikationsnetz- werken. Mehr als 40 Prozent der Befürworter sprachen demgegenüber im gleichen Zeitraum ausschliesslich oder fast ausschliesslich mit solchen Mitbürgern, die in der Verfassungsfrage die gleiche Meinung wie sie selbst vertraten. Die Ja-Sager zogen sich also nicht nur generell aus der Gesprächsöffentlichkeit zurück, sie waren insbesondere auch viel weni- ger als die Nein-Sager geneigt, sich auf kontroverse Streitgespräche ein- zulassen. Dies kann nicht nur auf die realen Mehrheitsverhältnisse zurückgeführt werden. Rein rechnerisch befand sich auch in der Schluss- phase des Abstimmungskampfes unter drei Anwesenden immer noch mindestens ein potentieller Kontrahent. Der Befund passt insoweit auf- fallend zu der Entwicklung der Versammlungsöffentlichkeit. Nicht nur auf dem Veranstaltungspodium, sondern auch im Alltagsgespräch ver- mieden die Befürworter das Streitgespräch mit Oppositionellen. Damit ist die Frage nach den Meinungsführern im Abstimmungs- kampf aufgeworfen. Alle Angaben hierzu beruhen auf der Selbstein- schätzung der Befragten. Reine Meinungsführer und notorische Mei- nungsempfänger sind danach auch in Liechtenstein selten. Immerhin gaben knapp zehn Prozent der Befragten in der Nachwahlumfrage an, in ihren Gesprächskontakten überwiegend überzeugen zu wollen. Er- staunlicher ist die hohe Zahl derer, die «überwiegend zuhören». Diese Gruppe macht knapp ein Viertel der Stimmberechtigten aus. Zieht man die acht Prozent Inaktiven, die sich überhaupt nicht an politischen Ge- sprächen beteiligen, ab, so bleiben knapp 60 Prozent sogenannter Aus- 259 Gesprächsöffentlichkeit
        

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