Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/239/
zichtet. Nur in wenigen Fällen (und von einschlägig interessierter Seite) wurden wirtschaftliche Motive bemüht. Die Fürstenkampagne leistete insoweit einerseits Reduktion von überbordender Komplexität durch die Beschränkung auf die lebensweltlichen Konsequenzen (ein Leben ohne Fürstenhaus und ohne Schloss Vaduz) der an sich lebensfernen Verfassungsreform. Sie dürfte insoweit zu der hochgradigen Mobilisie- rung der Stimmbürgerschaft beigetragen haben. Auf der anderen Seite betrieb sie dadurch die vollständige Verdrängung des eigentlichen Ab- stimmungsgegenstands aus der Abstimmungskommunikation. Die poli- tische Auseinandersetzung mit den eigenen oder gar mit konkurrieren- den Staatsvorstellungen wurde weitgehend verweigert. Damit hielten sich alle auf dieser Seite Beteiligten streng an die Vorgaben des Landes- fürsten, der die Konkurrenzinitiative vom ersten Tag an als «Kasperl- theater» und «Totgeburt» und mithin als unbeachtlich etikettiert hatte. In der Darstellung der Werbekampagne mutierte die Verfassungsabstim- mung zum sanktionsbewährten Personalplebiszit. Dabei wirkte die Kommunikationsstrategie wie aus einer Hand geplant und alle Botschaf- ten erschienen streng aufeinander abgestimmt. Auch die Demokratiebewegung verdichtete die komplexe Verfas- sungsmaterie auf einige wenige Aspekte. Unter ihnen stellte insbeson- dere das absolute Veto des Fürsten, das durch die Initiative Verfassungs- frieden gebrochen werden sollte, einen Schwerpunkt dar. Dabei setzte man ebenfalls auf Emotionen, indem man an den Bürger- und National- stolz der Liechtensteiner appellierte. Begriffe wie Eigenverantwortung und Selbstbestimmung kontrastierten mit dem von der Konkurrenz ge- forderten grenzenlosen Vertrauen und der bedingungslosen Folgebereit- schaft für den Fürsten. Mit der Beschwörung von Heimatverbundenheit und monarchischer Tradition versuchte man, auf dem Terrain der Ge- genseite zu wildern. Die grafische Umsetzung der Aussagen des Initia- tivkomitees zielte darauf ab, den Eindruck eines modernen Staats- und Monarchieverständnisses zu wecken, der sich optisch sehr eindeutig von der eher altbacken präsentierten Fürstenverehrung der Konkurrenz dis- tanzierte. Die zweite, rein quantitativ schwergewichtigere Säule der Kampagne warb für das «Nein» zur Fürsteninitiative. Beide Säulen blie- ben nebeneinander stehen. Eine argumentative Verknüpfung wurde nicht geleistet. Auch in dieser Linie konzentrierte man sich auf einige wenige Aspekte der Verfassungsreform, namentlich auf diejenigen, von denen man vorab wusste, dass sie in der Bevölkerung wenig Unterstüt- 239 Medienöffentlichkeit
        

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