Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/228/
tung muss unbestimmt bleiben. Am wahrscheinlichsten ist aber die Ver- mutung, dass hierin so etwas wie eine generelle Tendenz zur «diskreten Politik» zum Ausdruck kommt, die dem liechtensteinischen Politiksys- tem über den Abstimmungsprozess hinaus eigen ist: Man will zwar Ein- fluss nehmen, aber dies muss nicht gleich jeder sehen. Wie dem auch sei: Die Kampagne für die fürstliche Sache wurde in der Mehrheit ihrer Inserate von anonymen Unterstützern getragen. Da- rüber hinaus wurden von namentlich genannten Personen oder Gruppen sowie vom Fürstenhaus selbst jeweils rund elf Prozent der Anzeigen ge- schaltet. Die Bürgerbewegung Duales Liechtenstein verlegte sich offen- sichtlich primär auf andere Aktivitäten (Pressemitteilungen u. a.), denn in der Inseratkampagne tauchte sie – ebenso wie die beiden grossen Parteien – eher selten auf. Die Inseratkampagne der Demokratiebewegung wurde mehrheitlich von Einzelpersonen und Unterstützergruppen initiiert. Aus diesem Kreis wurden doppelt so viele (überwiegend kleinflächige) Inse- rate geschaltet, wie vom Initiativkomitee Verfassungsfrieden selbst. Der Einbezug der Fundorte in diese Auswertung gewährt weiter- gehende Aufschlüsse. Lässt man sich nämlich von der Annahme leiten, dass das Liechtensteiner Vaterland trotz aller «Crossover-Nutzung» im- mer noch eher die Anhänger der Vaterländischen Union anspricht, wäh- rend das Liechtensteiner Volksblatt mehrheitlich von den Anhängern der auf Fürstenkurs eingeschwenkten FBP gelesen wird, dann lassen sich daran Vermutungen zur intendierten Zielgruppenansprache der konkur- rierenden Kampagne knüpfen. Zunächst fällt freilich auf, dass die Mehr- zahl der Anzeigen von den meisten Inserenten gleichmässig in beiden Tageszeitungen platziert wurde. Der Intention nach ging es hierbei offenbar um eine möglichst grosse Reichweite, eine spezielle Zielgrup- penselektion ist nicht erkennbar. Drei Ausnahmen von dieser nachvoll- ziehbaren Regel weist Tabelle 25 aus. Die beiden grossen Volksparteien platzierten ihre Inserate ausschliesslich in der eigenen Zeitung. Auch in dem Fall sind eher politische (und ökonomische) Motive als kommuni- kationsstrategische Beweggründe zu vermuten: so weit geht das Engage- ment für die Sachfrage dann doch nicht, dass man mit den eigenen Inse- raten gleichsam das Publikationsorgan der politischen Konkurrenz zu subventionieren bereit wäre. Ähnliche Motive könnten zweifellos auch bei den fürstentreuen Personen und Gruppen eine Rolle gespielt haben. Der Gedanke, der bekämpften Gegenpartei, mit der die jeweilige Zei- tung unweigerlich identifiziert wird, durch zusätzliches Inserateaufkom- 228Öffentliche 
Kommunikation im Abstimmungsprozess
        

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