Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/226/
spielte. Der Faktor drückt sich aber nicht in den quantitativen Propor- tionen, sondern in der finanziell aufwendigeren Platzierungsstrategie der Fürstenkampagne aus.191 Fragt man, wer im einzelnen inseriert hat, so fällt zunächst auf, dass rund ein Viertel aller veröffentlichten Inserate (das entspricht knapp 18 Prozent der Inseratfläche) anonym geschaltet wurde, also ohne dass der Betrachter der Anzeige sehen konnte, wer dahinter stand und wer sie finanziert hatte.192Legt man das Kriterium streng aus, so ist der Wert noch um einiges höher anzusetzen, denn auch die Inseratserie des Fürs- tenhauses («Ja zur Fürstenfamilie») war nicht namentlich gekennzeich- net. Allerdings kann man davon ausgehen, dass der grossen Mehrheit der Stimmbürger bekannt war, dass diese grossflächigen Anzeigen in Landes- farbe direkt vom Schloss aus in Auftrag gegeben worden waren. Daher werden sie in Tabelle 24 entsprechend zugerechnet. Gleichwohl: Rund 25 Prozent anonyme Inserate sind im internationalen Vergleich ein ausge- sprochen hoher Wert. Eine vergleichbare Untersuchung zur EWR-Ab- stimmung 1992 in der Schweiz brachte zu Tage, dass unter 5290 Inseraten gerade vier Prozent anonym blieben (vgl. Saxer / Tschopp 1995, 133). Der Vergleich verweist auf die in der politischen Öffentlichkeit Liechten- steins weit verbreitete Abneigung dagegen, für eine bestimmte politische Position oder Meinung offen einzustehen, vor allem wenn es sich um sol- che Ansichten handelt, die in der Bevölkerung als vermeintlich nicht mehrheitsfähig gelten.193Im vorliegenden Fall übte sich freilich primär die Unterstützerszene der Fürstenvorlage in Anonymität, denn bis auf 226Öffentliche 
Kommunikation im Abstimmungsprozess 191Für die Strassenplakate trifft dieser Eindruck nur begrenzt zu. Hier war insbeson- dere das Hauptsujet des Fürstenhauses («Ja zur Fürstenfamilie») sowohl hinsicht- lich Anzahl der aufgestellten Plakatwände als auch hinsichtlich Visibilität ihrer Plat- zierung und nicht zuletzt hinsichtlich ihrer Grösse im Strassenbild landesweit dominierend. 192Das schliesst nicht aus, dass der vertretenen Position in der Anzeige Gesicht, Stimme und Namen verliehen wird (wie in der «Home-Story»-Serie der Pro Fürs- tenhaus-Kampagne). Anonymität heisst insoweit hier nur, dass der Auftraggeber und Finanzier unerkennbar bleibt. 193Mit dem Problem waren während des Abstimmungskampfes auch die jeweiligen Unterstützergruppen beschäftigt. Die Anhänger der Bürgerbewegung Duales Liech tenstein blieben – obwohl die Sprecher ständig neue Rekordzahlen verkünde- ten – überwiegend anonym, was nach aussen damit begründet wurde, dass die Be- wegung die «schweigende Mehrheit» repräsentiere. Der Verfassungsfrieden hatte vor allem während der Unterschriftenkampagne grössere Probleme, weil er sich bei
        

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