Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/190/
chen und dadurch schweren Schaden (bis hin zum Verlust der staatlichen Eigenständigkeit) riskiert hätten (Kausaldimension), der moralischen Verurteilung der niederen Motive seiner Gegner als Vertrauensbruch, Il- loyalität und Undankbarkeit und schliesslich der Lösung des Problems durch den Souverän («Volk und Fürst») per Volksabstimmung (Hand- lungsempfehlung). Dem stand ein weniger scharf konturiertes Gegen- bild einer Opposition gegenüber, die sich aus einer Mehrzahl von politi- schen Strömungen zusammensetzte, in der Problemdeutung schon aus diesem Grund unterschiedliche Akzente setzte, und der es vor allem an einer überzeugend vermittelbaren Alternative zum blossen Nein-Sager- Image fehlte. Die (insoweit konfirmatorische) Faktorenanalyse hat zu zeigen, ob und inwieweit sich die skizzierten Deutungsrahmen auch in der Presseberichterstattung abbildeten. Wie die folgende Tabelle ver- deutlicht, war das in hohem Masse der Fall. Die Analyse extrahiert drei Faktoren mit einem anfänglichen Eigenwert von mindestens 1,5, die zu- sammen rund 30 Prozent der Varianz in den eingespeisten Items erklä- ren (Tab. 14). Der erste Faktor lädt lediglich auf drei der vier Framing-Dimen- sionen und auf zwei der drei relativ schwach. Er steht insoweit für eine Berichterstattung, die fast ausschliesslich auf die Problemidentifikation fokussiert und deren Kern in den konkreten Verfassungsvorschlägen sieht. Die Thematisierung aller bis zum Schluss kontrovers diskutierten Bestimmungen sind mit diesem Faktor mittelstark bis stark korreliert, besonders die Notrechtsregelung, Richterbestellung, Regierungsentlas- sung und die verfassungsrechtlich neuartige Idee eines Volksrechts auf Monarchieabschaffung beziehungsweise deren «kleiner Bruder», der Misstrauensantrag gegen den amtierenden Landesfürsten. Im Hinblick auf die Wurzel des Übels wird ebenfalls verfassungsrechtlich argumen- tiert, mit Verweis auf die Interpretationsoffenheit und Unvollkom men- heit der gültigen Landesverfassung von 1921. Die Evaluation der Vor- schläge führt zur Ablehnung der Verfassungsinitiative, wobei das entsprechende Item auf diesem Faktor nicht sonderlich hoch lädt. Insge- samt spiegelt die Faktorstruktur ein gleichsam expertokratisches Fra- ming der Verfassungsfrage wider, das sich auf die Benennung der Schwachstellen des Vorschlags und die Überzeugungskraft des besseren verfassungsrechtlichen Arguments verlässt, dafür aber auf die personale Zurechnung von Schuld sowie ein einschüchterndes Folgenszenario ver- zichtet und vor allem keine schlüssige Problemlösung anzubieten hat. 190Öffentliche 
Kommunikation im Abstimmungsprozess
        

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