Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/182/
schwoll der generelle Medienoutput, wie ein abschliessender Vergleich der beiden Grafiken zeigt, gerade in den letzten sechs bis acht Wochen noch einmal kräftig an, während die Umfänge redaktioneller Eigenleis- tungen bei beiden Blätter ab Jahresbeginn 2003 eher abnahmen. Der Blick auf die jeweiligen «Informationsanlässe» – darunter wer- den diejenigen Ereignisse verstanden, welche die Berichterstattung un- mittelbar ausgelöst haben – bestätigt die eben formulierten Vermutun- gen. Die Variable wurde auf Artikelebene erfasst, und zwar nur dann, wenn der Auslöser zweifelsfrei identifiziert werden konnte. Aus diesem Grund werden in der folgenden Auswertung die Leserbriefe nicht be- rücksichtigt, weil bei ihnen in den allermeisten Fällen kein anderer An- lass erkennbar war, als dass ein Leser sich bemüssigt fühlte, seine Mei- nung zu veröffentlichen. Einer von Hans-Mathias Kepplinger (1998, 170) entworfenen Typologisierung folgend, unterscheidet die Tabelle zwischen drei Ereignistypen: genuine Ereignisse (Regierungshandeln, Landtagssitzung, Arbeit der Verfassungskommission etc.), die unabhän- gig vom Interesse der Medien stattfinden, mediatisierte Ereignisse (In- formationsveranstaltungen, Reden, Demonstrationen etc.), die einen Wert in sich haben, aber dennoch auf Medienresonanz spekulieren, wie sich an Form und Aufmachung erkennen lässt, und schliesslich insze- nierte Ereignisse (Pressekonferenzen, Medienorientierungen, Pressemit- teilungen etc.), die speziell für die Medien gemacht werden und ohne de- ren Aufmerksamkeit gar nicht stattfinden würden. Im Vergleich beider Inlandszeitungen (Tab. 12) fällt dreierlei auf, zunächst die vollständige Identität in den Proportionen. Der Befund ver- weist darauf, dass beide Zeitungen gleichsam reflexartig auf die gleichen Ereignisse reagieren und nichts auslassen können, was der Konkurrenz eine Meldung wert ist. Auffällig ist ausserdem, dass sich alle untersuch- ten Fälle beinahe ohne Rest auf diese drei Kategorien zuordnen lassen. Auf die Residualkategorie «Sonstige» entfallen rund zwei Prozent der Beiträge. Das heisst, Berichterstattung aus eigenem Antrieb, ohne auslö- sendes Ereignis, kam praktisch nicht vor. Und schliesslich war mehr als die Hälfte der Anlässe, die Berichterstattung erwirkten, unmittelbar auf Öffentlichkeitswirkung hin angelegt beziehungsweise verfolgten aus- schliesslich das Ziel, Resonanz der Medien zu erzeugen. Auch jenseits der parteipolitischen Abhängigkeit war folglich die Aussensteuerung der Berichterstattung durch Ereignismanagement extrem hoch. Wie den üb- rigen drei Spalten zu entnehmen ist, gewinnt dieser Effekt im Abstim- 182Öffentliche 
Kommunikation im Abstimmungsprozess
        

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