Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/16/
Auf der anderen Seite setzt die Anerkennung der demokratischen Funktionen und (mehr noch) forschungspraktischen Leistungen demo- skopischer Meinungsforschung nicht zwingend voraus, dass man den sozialwissenschaftlich traditionsreichen Begriff der öffentlichen Mei- nung für ihre Befunde reserviert. Ein alternativer Vorschlag besteht darin, das Produkt repräsentativer Meinungsumfragen als das zu be- zeichnen, was es seinem Sinn nach wesentlich ist, nämlich die «Bevölke- rungsmeinung», verstanden als aggregierte Individualmeinungen der Mitglieder einer Bevölkerung, zu einem gegebenen Thema und Zeit- punkt. Der wichtigste Vorteil dieser Unterscheidung besteht darin, dass man mit ihrer Hilfe nach dem Einfluss von öffentlicher Meinung auf Be- völkerungsmeinung fragen kann, wobei das erstgenannte Konzept dann kommunikationstheoretisch zu verstehen wäre (vgl. in diesem Sinne auch Neidhardt 1994, 25 und Kriesi 1999, 206). Kommunikationsbezogene Konzepte von Öffentlichkeit und öffentlicher Meinung Eine der wichtigsten (deutschsprachigen) Quellen für ein solches Ver- ständnis bilden die einschlägigen Arbeiten des Soziologen Niklas Luh- mann (1970a, 1990, 1992).5Seine Rekonstruktion des Begriffs steht im Kontext einer funktional-strukturellen Systemtheorie, die sich vor allem für den gesellschaftlichen Umgang mit der überbordenden Komplexität von Welt interessiert. Die Lösung des Problems heisst danach System- bildung und wird in der berühmt gewordenen Formel von der «Erfas- sung und Reduktion von Weltkomplexität» (Luhmann 1970b, 75) durch soziale Systeme zum Ausdruck gebracht (vgl. Marcinkowski 2002a). 16Öffentlichkeit, 
öffentliche Meinung und Demokratie dene, insbesondere moralisch aufgeladene Meinungen und Verhaltensweisen (...), die man – wo es sich um fest gewordenen Übereinstimmung handelt, zum Beispiel Sitte, Dogma – öffentlich zeigen muss, wenn man sich nicht isolieren will» (Noelle- Neumann 1994, 376) bezeichnet, wäre ebenfalls zu den subjektorientierten Kon- zepten zu rechnen, denn diese Meinungen und Verhaltensweisen sind ja bei den In- dividuen anzutreffen (und dort messbar). Interessanter als der eigentliche Begriff sind aber Noelle-Neumanns Überlegungen zur Entstehung solcher individueller Meinungen. 5Für einen Vorläufer in der amerikanischen Sozialwissenschaft vgl. Lippman (zuerst 1922).
        

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