Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/134/
Der Landesfürst spielte die Bedeutung der Umfrageergebnisse he- runter, indem er die Validität der Daten anzweifelte. Stattdessen stellte er seine Problemdeutung in den Vordergrund: «Wir müssen diesen Vor- schlag, so wie er jetzt ist, entweder akzeptieren oder die Konsequenzen ziehen.»95Allmählich wurde allen Beteiligten – egal welchen Lagers – klar, dass die Entscheidung über eine Revision der Verfassung in eine Ab- stimmung über die Frage «Monarchie ja oder nein» umgedeutet wurde. Die inhaltliche Auseinandersetzung über einzelne Verfassungsartikel trat dagegen weit in den Hintergrund. Angesichts dieser Gefahr argumentier- ten die Gegner der Fürstenvorlage offensiv damit, dass im Falle einer Ab- lehnung die geltende Verfassung weiterhin gültig sei96(Titel im Liechten- steiner Vaterland: «Die Monarchie bleibt bestehen»). Der angedrohte Umzug des Fürstenhauses nach Wien, die Herstellung des Zustandes von 1938,97die angekündigte Verweigerung des Fürstenhauses, künftig poli ti- sche Verantwortung zu übernehmen, sollten in ihrer Wirkung auf die Volksmeinung abgeschwächt werden. Das Liechtensteiner Volksblatt liess dagegen in einem Kommentar verlauten, wer dem Land Fürst und Monarchie erhalten wolle, müsse für die Regierungsvorlage eintreten. In der Berichterstattung zum FBP-Parteitag in der gleichen Ausgabe lautete die Schlagzeile: «Zeit für eine Entscheidung.»98 Zweifel konnte es keine mehr geben. Der Landesfürst äusserte sich in Neujahrsinterviews der Zeitungen sowie später in der veröffentlichten Thronrede zur Landtagseröffnung am 7. Februar 2002 unmissverständ- lich. Die Schlagzeile zum Neujahrsinterview lautete im Liechtensteiner Vaterland vom 15. Dezember 2001: «Dann werden wir unsere Koffer pa- cken und gehen». Dem Landtag wurde im Hinblick auf die Verfassungs- 134Öffentliche 
Kommunikation im Abstimmungsprozess 95Interview mit Fürst Hans-Adam II bei Radio L, wiedergegeben im Liechtensteiner Vaterland, 5. Dezember 2001. 96Beispielsweise Mario Frick an einer Pressekonferenz des Demokratie-Sekretariats am 4. Dezember 2001, nach Liechtensteiner Vaterland, 5. Dezember 2001. 97Seit dem Kauf der Herrschaft Schellenberg 1699 und der Grafschaft Vaduz 1712 hatte das Fürstenhaus seine Residenz(en) in Wien und der weiteren Umgebung Böh- men, Mährens und Niederösterreichs und liess die Herrschaft in Liechtenstein durch fürstliche Beamte (Landvogt, Landesverweser) ausüben. Auch nach der Ein- führung der monarchisch-demokratischen Verfassung von 1921 und einem gebürti- gen Liechtensteiner als Regierungschef änderte sich daran nichts. Erst nach der na- tionalsozialistischen Machtübernahme in Österreich und einem sich ankündigenden Weltkrieg verlegte das Fürstenhaus den Wohnsitz nach Vaduz. 98Liechtensteiner Volksblatt, 6. Dezember 2001.
        

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