Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/129/
entstehen musste, dass sich die Experten in der Frage der Einschätzung der Verfassungsvorlage nicht einig sind. Wer sollte also grundsätzliche Bedenken gegen eine Vorlage haben, die Zustimmung beim Staatsober- haupt und im Fürstenhaus fand, ebenso die des Regierungschefs und der Regierung, des Landtagspräsidenten und der Landtagsmehrheit, von Rechtsexperten und liechtensteinischen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft? Ein weiterer Effekt der verwirrend widersprüchlichen Stel- lungnahmen war, dass man sich als Wählerin und Wähler getrost von der inhaltlichen Beschäftigung mit der Vorlage dispensieren konnte. Nie- mand muss schlauer sein als alle Experten und die Elite zusammen. Wenn also schon komplette Unsicherheit darüber bestand, ob die Vor- lage gut oder schlecht war, konnte man sich ebenso gut an den favori- sierten Eliten mit der höchsten Glaubwürdigkeit orientieren, also je nachdem am Fürstenhaus, der Regierung, Parteien, Landtagsfraktionen oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Die tatsächliche Schwä- che der Verfassungsvorlage war durch das Streuen von Zweifeln erfolg- reich pariert und die kritischen Stellungnahmen durch entgegengesetzte Stellungnahmen weitgehend neutralisiert worden. Das Feld der inhaltli- chen Auseinandersetzung war damit bereits relativ früh verlassen. Lange vor der Lancierung der Volksinitiativen hatte sich der Deutungskampf von den Verfassungsinhalten wegbewegt. Stattdessen wurden bereits früher skizzierte Schreckensvisionen aufgefrischt. Im Begleitschreiben zum grünen Büchlein meinten der Fürst und der Erbprinz, dass sie nicht glauben, dass die Mehrheit der Be- völkerung eine «Republik Oberrheintal» wünsche. Dies erinnerte daran, dass das Fürstenhaus im Falle einer Ablehnung der Vorlage nicht mehr weiter das Staatsoberhaupt in Liechtenstein zu stellen bereit wäre, das Land Richtung Wien verlassen wolle und in Liechtenstein eine Republik entstehen müsste – allerdings unter neuem Namen. In der traditionellen Thronrede zur Landtagseröffnung wiederholte Fürst Hans-Adam II. am 29. März 2001 seine Sicht der Dinge. Das Land stehe in den kommenden Jahren vor grossen Herausforderungen, und man könne sich den Luxus nicht leisten, den «Verfassungsstreit über die Zukunft der Monarchie» fortzusetzen. Der Verfassungsentwurf des Fürstenhauses bedeute eine Stärkung der Demokratie und des demokratischen Rechtsstaates.81In 129 
Akteure, Frames und Kommunikationsstrategien 81Thronrede abgedruckt in Liechtensteiner Vaterland / Volksblatt, 30. März 2001.
        

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