Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
47
Erscheinungsjahr:
2010
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000312286/103/
4Der Verfassungskonflikt in Liechtenstein 4.1Vorgeschichte Der Verfassungskonflikt hatte eine lange Vorgeschichte, ehe er in der Volksabstimmung von 2003 vorläufig beendet wurde. Bereits im Über- gang der Regierungszeit von Fürst Franz Josef II. zu Hans-Adam II. – ab 1985 als Stellvertreter des Fürsten, nach dem Tod seines Vaters 1989 als dessen Nachfolger – zeichnete es sich ab, dass Hans-Adam II. eine andere Vorstellung über die Rolle des Monarchen im liechtensteinischen politischen System hatte als sein Vorgänger. Gemäss Analyse von Waschkuhn (1994, 89) vertrat Franz Josef eine christlich-konservative und integrative politische Philosophie. Die vornehme Zurückhaltung, welche sich Fürst Franz Josef II. in der Regel in politischen Alltagsfra- gen auferlegte, gehe exemplarisch aus Bemerkungen in seiner Thronrede vom 5. April 1955 hervor: «Eine demokratische Staatsform bedeutete, wie es das Wort Demokratie schon betont, dass die Macht beim Volk liegt, dass das Volk seine politischen Geschicke selbst leitet. Auch in ei- ner konstitutionellen Monarchie, wie es in Liechtenstein ist, bestimmt und leitet das Volk in weitestgehendem Masse die Politik.»46Ebenfalls exemplarisch kann dagegen Fürst Hans-Adam II. wie folgt zitiert wer- den: «Die liechtensteinische Verfassung legt die politische Macht im Staat auf zwei [...] Träger. Der eine dieser Machtträger ist das Volk, der andere der Fürst. Beide sind gleichberechtigt!»47 Waschkuhn resümierte 1994 (108): «Hans-Adam II. steht zwar in der Kontinuität seines Vaters, aber er ist aufgrund seiner konzeptionel- 103 
46Regierung 1986 (Thronreden), 48. 47Ansprache an der Jungbürgerfeier in Ruggell vom 8. November 1986, Liechtenstei- ner Vaterland, 11. November 1986.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.