MEURTRE 
HHHHHHHHHHR 
Gegenständlich — Josef Schädler, der Maler des Alltäglichen 
EVA-MARIA BECHTER — IM Alter von 14 Jahren hält Josef Schädler den Blick aus der Stube 
seines Elternhauses im Oberen Winkel in Triesen auf Papier fest: Der Mittagspitz, 
Tuass, Rappenstein und der wolkenverhangene Falknis - eine schneebedeckte Land- 
schaft. Ein zweites Bild aus dieser Zeit zeigt das Elternhaus vor der winterlichen 
Kulisse - die Kälte der Jahreszeit ist spürbar. 
Als «Spinner» galt er, dieser in Triesen aufgewachsene Triesenberger, der sich schon 
im zarten Jugendalter für die Kunst interessiert hat. Einzig sein Lehrer Josef Büchel 
hat ihn unterstützt und ihn im damals môglichen Umfang gefôrdert. So hat dieser 
  
etwa, als Überraschung für den jungen Schüler, die beiden zuvor angesprochenen 
Bilder eingerahmt und während einer Prüfung neben das Porträt des Landesfürsten 
gehängt. Von seinem Lehrer Büchel kommt auch die Aussage: «Je besser er malt, 
desto schlechter schreibt er.» Nach Abschluss der Schule hat Josef Schädler eine 
  
dreijährige Lehre zum Maler gemacht, in verschiedenen Malereigeschäften gearbei- 
tet und ist dann 1950 für vier Jahre nach Basel gegangen. Dort hat er neben seiner 
täglichen Arbeit die Kunstgewerbeschule besucht und sich seinen Traum von der 
Malerei erfüllt. In dieser Zeit hat er auch seine Gerda geheiratet. Eine Zeit also, die 
vom Neubeginn geprägt war - auch oder gerade in der Kunst. 
Aus dieser Zeit stammt die für ihn so wichtige Arbeit Lehmgrube. Die gezeigte Szene- 
rie ist alltäglich. Eine Lehmgrube, vor der die Gerätschaften nach getaner Arbeit ru- 
hen, Strommasten, die in der Landschaft stehen und ein bewölkter Himmel. Schädler 
wählt einen Standpunkt, der die Landschaft in einer angedeuteten Froschperspek- 
tive zeigt. Im Vordergrund wird der grasbewachsene Hügel mit Hilfe offener gesti- 
scher Pinselstriche charakterisiert, gegen den Horizont hin, wirkt die Malerei jedoch 
vermehrt geschlossener. Die einzelnen Gegenstände bekommen dunkle Konturen, 
  
werden dadurch verfestigt, womit die Fläche als Darstellungselement eine wesent- 
liche Rolle spielt. Hier bedient sich Schädler eines Hilfsmittels in der malerischen 
Wiedergabe, das gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder in der Malerei 
eingesetzt wurde: die Darstellung der Fläche. Schon Paul Cezanne hat Ende des 19. 
Jahrhunderts seine Bilder in einzelne Farbflächen zerteilt. In seinen «sur nature» ent- 
standenen Arbeiten ging es Cezanne, dem Vater der Moderne darum, dem Betrachter 
zu vermitteln, dass in einem geschlossenen Bild andere Gesetze vorherrschen, wie 
in der weiten Natur. Für ihn war diese «chaotisch, vergänglich, wirr, ohne logisches 
Dasein, ohne jede Vernunft» und diesem Chaos wollte er entgegenwirken und Land- 
schaften darstellen, die «beharrend, dem Gefühl zugänglich, kategorisiert» waren. 
  
  
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