Volltext: Beiträge zur Kirchengeschichte Liechtensteins

Die Spend unterstützte mit Geld und Naturalien die Dorfarmen, besorgte und bezahlte 
Begräbnisse, besonders große Opfer kostete sie die übergoße Zahl fremder durchwandern- 
der Bettler und Armen. Dieselben mussten per Wagen teils nach Eschen, teils nach Triesen 
überführt und unterdessen in der Spendküche gespeist werden.‘ In Triesen bestand im Mit- 
telalter eine Anstalt (Siechenhaus) für das Unterbringen kranker (siecher) Leute, vor allem auf- 
gegriffener fremder Personen, Bettler, erkrankter Durchreisender oder aber zur Absonderung 
der Kranken bei Seuchen. Sie war allgemein eine Einrichtung zum Wohle der Armen und 
Kranken. In Triesen bestand wie in anderen Gemeinden zur gleichen Zeit ein Armenfonds, die 
Spend.?* 
19. und 20. Jahrhundert 
1802 unterbreitete Landvogt Xaver Menzinger den Seelsorgern Pläne zur Schaffung einer Ar- 
menkasse. Sie sollten die Armen ihrer Pfarrei in Verzeichnissen erfassen, Anregungen über die 
Organisation von Armenkassen unterbreiten und darüber predigen. An allen Sonntagen wur- 
den in den Kirchen für diesen Zweck Opfer aufgenommen. ? Der Triesner Pfarrer Wolfgang Be- 
nedikt Schmidt (=> Bd. 1) brachte dabei eine der ersten Armuts-Definitionen ein: Bereits an der 
Wende zum 19. Jahrhunderte erkannte er, dass neben den eigentlichen Armen und den an- 
geblich arbeitsscheuen Müßiggängern zur Gruppe der Armen auch Waisenkinder, Hausarme 
und Kranke sowie gesunde Personen ohne Erwerbsmöglichkeit gehörten. Für die letztge- 
nannten schlug er die Ausgabe von Arbeitsmitteln und -materialien (Spinnräder, Baumwolle 
usw.) vor, damit sie durch Arbeit die Not selbst überwänden. Das Proiekt scheiterte aller- 
dings. * 
Manche Seelsorger gingen mit dem guten Beispiel voran. Pfarrer Joseph Ferdinand Leo von 
Fröwis (= Bd. 1) gab an die Spend 20 Gulden, Pfarrer Anton Joel Orsi von Reichenberg 
(= Bd. 1) hinterließ eine selbständige Armenstiftung, und Hofkaplan Joseph Anton Frommelt 
(= Bd. 2) in Vaduz machte im Jahre 1843 eine Stiftung von 100 Gulden für die Armen. Ende 
des 19. Jahrhunderts verbreitete sich der Brauch des Antoniusbrotes, ein Almosen zu Ehren 
des heiligen Antonius von Padua; heute findet sich ein Antonius-Opferstock in jeder Kirche. 
Auf Initiative der Pfarrer Franz von Reding (= Bd. 1) und Dr..J. Georg Marxer (=> Bd. 2) kam 
es 1924 zur Gründung der heutigen Caritas Liechtenstein, des ersten sozialen Hilfswerkes in 
unserem Land. 
Bis ins 19. Jahrhundert gab es keine ausgebildeten Krankenpfleger und -pflegerinnen, son- 
dern nur Wärter und Wärterinnen, die für Ordnung schauten. Dann kam es zur Gründung ver- 
schiedener Schwesterngemeinschaften. Die Zamser Schwestern führten von Anfang an ein 
eigenes Spital, wo auch die Ausbildung zur Krankenpflege möglich war. In der Schweiz wa- 
ren vor allem die Menzinger- und Ingenbohler-Schwestern in gleicher Weise tätig. Sie setzten 
sich gegen Armut und Krankheit ein, als es noch keine staatliche Sozialordnung gab. 
JbL 27, S. 63. 
? Büchel J.: Triesen. S. 841-844 
Ss JbL 2,5. 88. 
* HLFL: Armut (Weiß, Alfred Stefan). - Oehri: Menschen. Ba. 1, S. 53-56 (Frommelt, Fabian). 
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