Volltext: Beiträge zur Kirchengeschichte Liechtensteins

Projekt Jauch 
1854 hatte Fürstin Franziska, geborene Gräfin Kinsky, den Burghügel Gutenberg von der Ge- 
meinde Balzers käuflich erworben. In ihrem Auftrag und mit ihrer Hilfe wurde in den folgenden 
zwei Jahren vom Balzner Frühmesser-Provisor Jakob Josef Jauch (=> Bd. 1), der 1852 nach 
Balzers gekommen war, der Bau eines Bildungshauses als weiterführende Schule für Knaben 
ausgeführt. Jauch war als Direktor vorgesehen; er versuchte vor allem auf dem Bildungssek- 
tor in der Landwirtschaft zahlreiche Neuerungen einzuführen. Seine fortschrittlichen Pläne und 
das Tempo, mit dem er sie verwirklichen wollte, führten zum Zerwürfnis mit der Gemeinde, 
dem Pfarrer und auch mit dem Bischof, so dass er 1856 das Land verlassen musste. 
Wenn das Schulgesetz vom 8. Februar 1859 festlegt, dass jede Gemeinde eine Obstbaum- 
schule für Knaben einrichtet, wurde damit vermutlich ein Anliegen von Jauch aufgegriffen. 
Landesschule 
1858 wurde in Vaduz die Landesschule, Vorgängerin der Realschule, gegründet, für die der 
Arzt Dr. Ludwig Graß 20’000 Gulden stiftete; nach Schwierigkeiten kam es 1908 zur Neugrün- 
dung durch Ingenieur Karl Schädler, der dazu zusammen mit seinem Bruder Dr. Albert Schäd- 
ler 100:000 Kronen stiftete. Leiter dieser erneuerten Schule wurde Johann Baptist Büchel 
d. J. (= Bd. 2). 1906 entstand in Eschen eine Sekundarschule. 
Höhere Töchterschule 
In der Folge des Kulturkampfes in den 1870er Jahren mussten die «Paderborner Schwestern» 
(Schwestern der christlichen Liebe) Preußen verlassen. Als sie ihre höhere Töchterschule in 
Konstanz schließen mussten, richteten sie am 10. Januar 1873 ein Gesuch an Fürst Johan- 
nes Il. um mietweise Überlassung des Hauses auf Gutenberg in Balzers, damals «Schloss» 
genannt, da sie aus dem «deutschen Vaterland» vertrieben worden seien. Sie würden ihre der- 
zeitigen Zöglinge mitbringen und ihr «Pensionat für Töchter aus dem bessern Beamten- und 
Bürgerstande» weiterführen. So ließen sich im Frühjahr 1873 einige Schwestern mit ihren Zög- 
lingen auf Gutenberg nieder. 1920 wurde das Pensionat aufgelöst, und die Schwestern kehr- 
ten nach Deutschland zurück.?* 
Im November 1920 kamen «Anbeterinnen des Blutes Christi» dorthin. Sie erteilten unter an- 
derem Haushaltungs- und Musikunterricht. Nachdem sie 1935 das neu erbaute Kloster St. Eli- 
sabeth in Schaan bezogen hatten, begannen sie ab 1942 eine rege Schultätigkeit für Mäd- 
chen und führten bis 1946 neben dem Mädchengymnasium eine Handelsschule (ein Jahr 
1b 29, S. 1427. 
? LVo 20. Oktober 1920, S. 1. —- Vogt E.: Gedenktage aus der Geschichte der Gemeinde Balzers. Sonder- 
druck aus dem «Liechtensteiner Volksblatt». 1958. S. 30-36. - Vogt E.: Balzers. Bd. 1, S. 59-65. 
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