Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/97/
wissen, was wir nicht wollen, wie im Zweiten Weltkrieg, sondern auch was wir positiv wollen, was wir sind, wo wir stehen, auf was wir behar- ren und wohin wir wollen. Gregor Steger hat die Frage auf einen Satz ge- bracht: «Nicht nur an die Existenz, sondern auch das Sosein denken. Welche Identität bewahren wir?» Wenn wir bloss die Existenz retten wollen, werden wir weniger retten als die Existenz. b) Im harten Geschäft wirtschaftlicher Interessen müssen wir, im Unter- schied zur wirtschaftlich schon gewichtigen Schweiz, nicht wirtschaft- lich, sondern vor allem auch politisch argumentieren. Wenn wir, ein wirtschaftlicher Niemand, nur wirtschaftlich argumentieren, wird nichts anderes herauskommen als die verkleinerte Kopie der Schweiz. Wir müssen alle unsere politischen Argumente einbringen, um mehr oder für uns Passendes zu erhalten. Wo andere die Macht ins Spiel bringen, müssen wir – ich meine das nicht als Trick – unsere Machtlosigkeit einsetzen. Es ist eigenartig. Es gibt so etwas wie ein Gewicht der Machtlosigkeit. So etwas wie einen letzten Respekt vor der Machtlosigkeit des anderen. c) Es gibt eine Attraktivität des Alternativen, Andersartigen, Eigenarti- gen: Liechtenstein als Ausnahme gegenüber dem Grossen, das winzig kleine Liechtenstein, das nicht fähig ist, andern zu schaden, die einzige übriggebliebene Monarchie im deutschsprachigen Raum, des uralten po- litischen Mischsystems. Sagen wir, das Partikulare, ja die Freude am Par- tikularen, das auch Liechtenstein irgendwie darstellt, hat im europäi- schen Raum uralte Tradition. Dazu gehört auch der Mut, allein Handlungen zu setzen, die im Sinne Peter Kaisers «Allen Achtung abnöthigen». Ich erinnere zum Bei- spiel an die Nichtauslieferung der Russen, an die Vernichtung der Olym- piabriefmarken wegen des Afghanistan-Einfalls und die Nichtteilnahme an der Olympiade. Ein kleiner Staat ist da in manchen Dingen freier. Aussenpolitisch wie wirtschaftlich: Nischen aufspüren, vielleicht Positi- ves leisten, das niemanden verletzt. Eigenart, Ablehnung totaler Öff- nung (und damit Selbstaufgabe) wird uns aber nur abgenommen, wenn wir, auf andere Weise, dennoch ein menschenfreundliches, geordnetes Staatswesen sind.97 
Liechtenstein und die europäische Integration
        

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