Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/94/
Im Jahr 1920 wurde bekanntlich Liechtensteins Gesuch um Auf- nahme als Mitglied in den Völkerbund mit 28 gegen 1 Stimme (Schweiz) abgelehnt. Nach überaus sorgfältiger Vorbereitung konnte Liechtenstein 1950 jedoch dem 
Internationalen Gerichtshofbeitreten. Die 
KSZE, die zwar keine Organisation, aber als Konferenz politisch bedeutend ist, an der auch die Sowjetunion und die USA vertreten sind und an der wir bis- her seriös mitgearbeitet haben, hat uns eine starke Aufwertung gebracht. Der Beitritt zum 
Europarat1978 – nach 15 Jahren schwieriger Vorberei- tung – war dann ein Durchbruch: gleichberechtigtes Vollmitglied auf eu- ropäischem Boden, wo auch die EG tätig ist, bessergestellt als im Deut- schen Bund zwischen 1815 und 1866. Man mag leicht erkennen, dass ein gleichberechtigter UNO-Beitritt, dem universellen Weltforum aller sou- veränen Staaten (ausser der Schweiz), nicht nur Ausdruck unseres selbst- und mitverantwortlichen Staatseins in der Welt (unabhängig von der Schweiz) wäre, sondern auch unsere Position in Europa stärken würde (was die Schweiz gar nicht nötig hat). Es sind erst wenige Jahre her (um 1970), als die UNO die Mikrostaaten mit einem Status minderen Rechts versehen wollte, und wir es kaum geschafft hätten, als Vollmitglied von der UNO angenommen zu werden. Haben wir den Tiefstand, als uns der Völkerbund 1920 nicht «brauchen» konnte, soweit hinter uns ge- bracht, dass wir heute insofern über die UNO mit der dort vereinigten Weltstaatengesellschaft erhoben sind, dass wir sie nicht nötig haben. Eine Volksabstimmung über den UNO-Beitritt7ist bei uns aufgrund der geltenden Verfassung nicht möglich. Wozu dann das Gerede darüber – damit wir sicher nicht in die UNO kommen? Es geht bei der Frage der Volksabstimmung nicht nur um die UNO, sondern um die aussenpoliti- sche Handlungsfähigkeit überhaupt. Einmal Volksabstimmung, immer Volksabstimmung. Wir wären mit einer Volksabstimmung auch nie in den Europarat gelangt. Wäre in der Abstimmungsfrage weiter laviert worden, wäre dies vielleicht eine der grössten aussenpolitischen Fehl- leistungen seit 1806 gewesen. Ein kleines Land ist meist Objekt aussen- politischer Konstellationen und muss um des Überlebens willen rasch 94Texte 
aus dem Nachlass von Gerard Batliner 7Inzwischen hat die Regierung einen vorzüglichen Bericht zur Frage des UNO-Bei- tritts veröffentlicht (Bericht über die Beziehungen des Fürstentums Liechtenstein zu den Vereinten Nationen [UNO] vom 1. Juni 1988). Anm. der Redaktion: Der UNO-Beitritt Liechtensteins als Vollmitglied kam 1990 zustande, jener der Schweiz im Jahr 2002.
        

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