Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/91/
Und weiter: «Deshalb konnte und wollte die liechtensteinische Regie- rung bisher auch nicht Modelle entwerfen. [...] Logischerweise muss doch erst bekannt sein, in welcher Form die Schweiz sich ihre künftigen Beziehungen zur EG vorstellt. Liechtenstein muss doch erst wissen, in welchen, durch den Zollvertrag nicht abgedeckten Bereichen es im Zuge schweizerischer Annäherungen an die EG miteinbezogen ist und in wel- chen nicht. Erst dann kann die liechtensteinische Regierung eigene sinn- volle EG-Strategien entwickeln.» Günther Meier schreibt mit Recht 
(Liechtensteiner Volksblattvom 27. Februar 1988): «Das blamable Szenarium der früheren VU-Regie- rung, die sich bei der Gestaltung des Freihandelsabkommens zu Beginn der siebziger Jahre immer wieder auf den Zollvertrag berief, ohne eine eigene Position für diese Verhandlungen abzustecken, scheint sich der- zeit zu wiederholen.» Dabei geht es im Verhältnis zur Schweiz unter Festlegung der Rolle doch nicht nur um einige den Zollvertrag übersteigende Materien! Da kommt Bundesrat Delamuraz nach Liechtenstein und räumt ein, dass das Abkommen von 1923 so nicht mehr stimme, man müsse die richtige Form der bilateralen Zusammenarbeit finden – und unsere Regierung spricht nur über die durch den Zollvertrag nicht abgedeckten Materien. Da wird im Hinblick auf die grosse Weichenstellung der Schweiz und unsere Weichenstellung in Europa nicht über Entwicklungen im Zoll- vertrag geredet. Es geht dabei nicht um eine liechtensteinische Unzufriedenheit mit der Schweiz oder um Kritik, dass sich die Schweiz Liechtenstein gegen- über unachtsam oder gar unkorrekt verhielte oder dass wir gegenüber der Schweiz undankbar wären. Wir wissen zu gut, wie viel wir der Schweiz verdanken und wie sehr wir in Zukunft ihre Freundschaft brau- chen. Es geht um die Erhaltung unseres Staates in einer neuen Situation, die wir nicht herbeigeführt haben. Aus der Öffnung der Schweiz zur EG und zur europäischen Integration sind als Nebenpro- dukt für uns ernste Probleme in Bezug auf unsere Präsenz, unser Dasein und unseren Fortbestand in Europa entstanden. Wäre nicht die Ent- wicklung des immer engeren multilateralen und supranationalen Zusam- menschlusses der Staaten Westeuropas, wo die Frage unserer Präsenz unvermeidlicherweise akut wird, würden sich die oben geschilderten bi- lateralen Fragen nicht stellen. Mit der Schweiz zu bedenken, was ange- sichts der neuen Lage ohne Nachteile für die Schweiz für Liechtenstein 91 
Liechtenstein und die europäische Integration
        

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