Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/90/
heit und Offenheit an. Dies erhellt deutlich aus einer neulichen Presse- konferenz von Bundesrat Felber4vom 25. März 1988. Ein hoher schwei- zerischer Beamter hat mir anfangs März geschrieben, «das Verhältnis Schweiz–Europa» werde jetzt untersucht, «wobei wir uns bemühen, das Verhältnis Schweiz–EG in einen breiten Kontext zu stellen, und versu- chen so offen wie möglich an die Frage heranzugehen». Soll die Schweiz den Weg, den sie mit der Herauslösung aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation seit dem Mittelalter ge- gangen ist (1291, 1499, 1648, 1815), verlassen und sich ins gemeinsame Europa begeben? Oder soll sie den vielleicht einsamsten Weg ihrer bis- herigen Geschichte weitergehen? Auch Österreich muss sich entschei- den. Es wird, nach Bundesrat Felber, die gesamte Palette der schweizeri- schen Beziehungen zu Europa, und zwar nicht zu jenem der Zwölf, auf ihren Stand und ihre Entwicklung überprüft. In dieser europäischen Rechnung wird auch das Verhältnis gegen- über den Nachbarn, auch zum Nachbar Liechtenstein, auf längere, ich glaube auf lange Zeit, festgelegt. Tritt die Schweiz der EG bei, werden sich für Liechtenstein ganz besondere Probleme stellen. Tritt die Schweiz der EG nicht bei (was ich glaube), will die Schweiz ihre Stan- dards der EG annähern. Für Liechtenstein lautet die Frage: Muss die Schweiz bei ihrer gros- sen Rechnung einfach (und ohne unser bilaterales Verhältnis zu entwi- ckeln) vom asymmetrischen Zollvertrag und dem Vertretungsrecht aus- gehen, wie sie sind, und Liechtenstein auf diese Weise ins Kalkül ziehen, dann wird das Verhältnis Liechtenstein–Schweiz so auf lange Sicht pe- trifiziert – Liechtenstein wird mit zunehmender Integration zunehmend mediatisiert. Wird Minister Bourcart recht bekommen, Liechtenstein am Ende verschwinden? Liechtenstein muss sich entscheiden, und zwar be- vor die Schweiz ihre Konzepte festgelegt hat. Da lese ich im 
Liechtensteiner Vaterlandvom 26. Februar 1988: «Wichtig ist es deshalb, zum jetzigen Zeitpunkt zu erfahren, wie sich der Zollvertragspartner (Schweiz) seine künftigen Beziehungen zur EG vor- stellt. Darauf kann Liechtenstein aufbauen und seine, wo nötig oder wo durch den Zollvertrag nicht abgedeckt, eigenen Strategien entwickeln.» 90Texte 
aus dem Nachlass von Gerard Batliner 4Anm. der Redaktion: Der Neuenburger Sozialdemokrat René Felber war zwischen 1987 und 1993 Bundesrat.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.