Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/89/
Zum 
Zollvertrag: Es ist signifikant, dass wir beim Thema Liech- tenstein–Europa soviel vom Zollvertrag reden müssen. Er hat eine Schlüsselfunktion für das Verhältnis Liechtenstein–Schweiz wie für das Verhältnis Liechtenstein–Europa. Könnten wir wenigstens unser Bin- nenverhältnis zumindest sukzessive partnerschaftlicher ausgestalten und so bessere Voraussetzungen für später schaffen? Zuerst einige Worte zum werdenden Umfeld. Ich muss dabei im folgenden mit ausgewählten Szenarien arbeiten. Die EG der Zwölf schickt sich an, bis 1992 den Markt für 320 Mil- lionen Menschen zu vollenden. Es wird, auch bei Verzögerungen, der grösste und mächtigste Markt der Welt sein. Grossbritannien, in Gross- britannien offenbar als Jahrtausendereignis betrachtet, stösst definitiv zu Europa und verbindet sich mit dem Kontinent durch einen Tunnel. Nor- wegen und vielleicht auch Österreich werden die EFTA verlassen. Die Schweiz, Schweden und Finnland werden die einzigen Länder sein, die der EG nicht oder noch nicht beitreten. Die europäische Aussenpolitik wird noch besser koordiniert. Nicht nur die Güter des ersten und zwei- ten Sektors werden frei verkehren. Die Dienstleistungen der Banken, Versicherungen etc. sind in jedem Land gleich zu behandeln wie im ei- genen. Natürliche und juristische Personen werden freien Zutritt zu al- len Ländern haben, und es darf innerhalb des gemeinsamen Marktes keine Diskriminierung mehr geben, auch nicht für den Kapitalverkehr. Keine nationale Vorzugsbehandlung mehr für gewerbliche Bewilligun- gen, Banken, kein Nationalitätsprinzip mehr für Ärzte, Anwälte etc. Dies binnen weniger Jahre! Die EG tritt nach aussen mit einer Stimme auf. Ein politisches Europa ist längerfristig im Kommen. Die Schweiz, eventuell allein, umgeben von einem einzigen Gross- raum Europa, ist gezwungen, sich über ihre Zukunft zu entscheiden. Ganz anders als bei der EFTA 1960 und bei den Freihandelsabkommen mit der EG 1972 geht es jetzt gegenüber diesem Europa nicht mehr bloss um eine wirtschaftliche, sondern eminent auch um eine politische Op- tion der Schweiz und um eine Definition ihrer Rolle in Europa. Und ganz anders als 1960 und 1972, als es darum ging, die fundamentalsten wirtschaftlichen Rechte zu sichern, und die Schweiz selbst unter äus- serstem Druck stand, geht die Schweiz jetzt das europäische Thema, sei- ner Grösse und Tragweite angemessen, zwar mit höchstem Einsatz, aber auch – auf einem durch die Freihandelsabkommen von 1972 einigermas- sen gesicherten wirtschaftlichen Grund – mit einer gewissen Entspannt- 89 
Liechtenstein und die europäische Integration
        

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