Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/62/
eher lauten können: «Liechtenstein in der Zukunft». Damit ist etwas Zentrales angerührt. Die Gründerväter wollten im Grunde keine Partei. Parteien seien schlecht für unseren Staat. Parteien schöben eigene Inte- ressen in den Vordergrund. Unser kleiner Staat könne sich Spaltung nicht leisten. In geradezu betonter Weise stellte sich die FBP unter das Wohl des Staates. Ihre ganzen Argumentationen kreisen um den Staat. Sie meldet sich zu Wort, wenn sie Gefahr für den Staat wittert. Das hatte einen gewaltigen Identifikationseffekt zur Folge: FBP = Staat (auch = Kirche) (auch = Monarchietreue). In der Bür- gerpartei war diese Unterordnung unter das Wohl des Staates ernst ge- meint, war ihr wirklich eigentümlich, wenn es auch eine durchaus selbst- bewusste Haltung war. Und daraus resultierten objektiv historisch grosse Leistungen für den Staat, darin standen Mutproben und Bereit- schaft zu Opfern und Unpopularität um des Staates willen, dies in schwersten Zeiten. Für die anderen, ausserhalb der Partei, war diese Identifikation der FBP mit dem Staat anmassend, arrogant und nicht leicht zu verkraften. Noch 1965 – es war die Zeit der Auftritte der CSP –, als Edwin Nutt13 unseren Slogan für die Landtagswahlen prägte «Es geht um Liechten- stein», war dies sehr ernst gemeint. Heute sähe man darin einen anmas- senden Anspruch. Die Partei als Partei stand im Zeichen des Staates. Äussere Symptome deuten an, dass die Partei sich wandelt und selbstbezogener geworden ist. So wurde zum Beispiel der von Edwin Nutt kreierte schöne Name «Jugendreferat» in «Junge FBP» verwandelt, nachdem die VU die «Jugend-Union» gegründet hatte. Es wurde die for- melle Parteimitgliedschaft eingeführt, eigentlich fremd in der alten FBP. Die Parteienfinanzierung durch den Staat ist eigentlich für eine FBP un- gewohnt. Nach einem Bonmot «ist aus staatstragenden Parteien ein par- teientragender Staat geworden». Wer an einem Parteitag die Tischforma- tionen und die Aufschriften sieht, fühlt sich ein bisschen ungewohnt, in die USA oder in die Bundesrepublik versetzt. Ich weiss nicht, was da richtig ist. Vielleicht braucht es mit der schwächer werdenden inneren Kraft solche äusseren Fixierungen. Sicher nähern wir uns damit der VU. Und sicher wird uns die VU mit ihren ge- 62Texte 
aus dem Nachlass von Gerard Batliner 13Edwin Nutt (1922–1991) arbeitete seit 1948 als Redaktor beim Liechtensteiner Volksblatt. Später wurde er dessen Chefredaktor sowie Sekretär der FBP.
        

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