Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/35/
aller Staaten hat alle voneinander abhängig werden lassen. Dem müs - sen auch die völkerrechtlichen und die Aussenbeziehungen Rechnung tragen. Goethe noch lässt den Bürger in seinem 
Faust(I. Teil) sagen: «Nichts Bessers weiss ich mir an Sonn- und Feiertagen, Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, Wenn hinten, weit, in der Türkei, Die Völker aufeinander schlagen. Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus Und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe gleiten; Dann kehrt man abends froh nach Haus Und segnet Fried’ und Friedenszeiten.» Und heute? Wenn die Sowjetunion im Jom Kippur-Krieg ein paar Solda- ten nach Ägypten verlegen will (das ebenso weit von Goethes Studier- zimmer entfernt ist wie die Türkei), werden im selben Augenblick von jenseits des Atlantiks aus die amerikanischen Truppen auf der ganzen Welt in höchste Alarmbereitschaft versetzt, und dies obwohl es sich nur um Entsendung einiger russischer Soldaten nach Ägypten, nicht etwa nach den USA selbst handelt. Jeder Krieg irgendwo in der Welt ist im- stande, auch unseren Frieden zu vernichten, seitdem der US-Präsident (und zweifellos auch sein Gegenspieler in Moskau) ständig den Koffer bei sich trägt, mit dem er den Atomkrieg auslösen kann, und seitdem 15 Tonnen TNT nukleare Sprengkraft pro Kopf der Erdbevölkerung in den Arsenalen lagern. Nach Berechnungen aus den Sechzigerjahren waren die USA im Stande, den kommunistischen Herrschaftsraum 750-mal zu zerstören, und die Sowjetunion wäre in der Lage gewesen, den NATO- Raum 450-mal zu vernichten. Der Mensch von heute jubelt nicht mehr über die Erzählung von Krieg und Kriegsgeschrei beim Gläschen, weil er weiss, dass alle auf dem Erdball sozusagen Krieg und Frieden als Schick- salsgemeinschaft teilen. Alle sind voneinander abhängig geworden. Die weltweite wechselseitige Abhängigkeit wurde auch in der Öl- krise offenkundig. Wenn ein paar Ölproduzenten den Hahn zudrehen, friert die Welt, und Arbeitslosigkeit greift um sich. Die neueste Rohstoffdiskussion zeigt dasselbe Bild. Nicht alle Län- der besitzen die lebenswichtigen Rohstoffe. Sollen nun die Länder, die zufällig die für die Menschheit wichtigen Stoffe unter ihrem Boden ha- 35 
Fragen der liechtensteinischen Aussenpolitik
        

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