Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/208/
lebte auch dank dem grossen Wohlwollen seiner Nachbarn. Doch als nach dem Zweiten Weltkrieg die Staaten begannen, näher, multilateral bis supranational zusammenzurücken, geriet Liechtenstein mit seinem bisherigen Status in eine überaus schwierige Situation. Als das Fürstentum im losen Bündnis der EFTA bei deren Grün- dung 1960 wenigstens Mitglied ohne Stimmrecht werden wollte, wurde abgewinkt, und Liechtenstein gehörte zur EFTA via Schweiz. Als der liechtensteinische Regierungschef 1969 mit vier Europaratskonventio- nen nach Strassburg kam, um die Ratifikationsurkunden zu hinterlegen, erklärte der damalige Generalsekretär Toncic im Namen des Minister- komitees: «Herr Regierungschef, Europaratskonventionen ja, Mitglied- schaft nein». Liechtenstein gab nicht auf, die weitere Geschichte ist be- kannt. In der EFTA blieb es beim Minderstatus, bis Liechtenstein 1991 deren Mitglied, 1994/95 Mitglied des GATT bzw. der WTO und 1995 – welche Fügung – zusammen mit Island und Norwegen Mitglied des EWR werden konnte, des historisch nur unter besonderer Konstellation geschaffenen Projektes EWR mit privilegierter, multilateraler, struktu- rierter Partnerschaft zur EU, mit ESA und eigenem Gerichtshof. 2. Sollten die eingangs vorgestellten hypothetischen Prämissen einen ge- wissen Realitätsgehalt haben, richten sich Fragen an die politische Pla- nung. Wenn beispielsweise zwei der drei EWR-Staaten, Island und Nor- wegen, aus dem EWR aussteigen und der EU beitreten, sackt der multi- laterale EWR – sofern er nicht dank neuer Mitglieder eine unerwartete Wiederbelebung erfährt – ipso facto real auf ein tieferes, nun «bilatera- les» Niveau herab und Liechtenstein mit ihm. Liechtenstein ist indessen mit den Problemen der asymmetrischen Bilateralität des sehr kleinen Staates vertraut. Wenn in einem bestimmten Raum alle Staaten multi- oder supranational unter Gleichen um denselben Tisch sitzen und dies sich zum Staatenverbund konsolidiert, wird es auf die Dauer für den sehr kleinen Staat fatal, als Staat nicht dabei oder zugelassen zu sein, wo alles, was sich Staat nennt, versammelt ist. 
«Je enger Europa zusammen wächst, desto mehr definiert sich die Eigenstaatlichkeit durch Mitglied- schaft – und nicht nur Assoziierung – in Integrationsverbänden, wie der EU oder der EWR. Nur grössere Staaten können es ‹sich leisten›, auf die 209 
Liechtenstein und die europäische Integration – einige Anfragen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.