Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/188/
blick zu behalten, genügend eigene Reflexion, Steuerungs-, Durchset- zungs- und Kontrollmechanismen bereit zu stellen, um die anfallenden Probleme zu bewältigen. Parteien und Presse sind kaum mehr imstande, die Probleme zu verarbeiten und zu kommunizieren. Zugespitzt wird die Lage durch eine nur aus dem kleinstaatlichen Nahverhältnis heraus erklärbare Tendenz betont selektiver Auseinandersetzung beziehungs- weise des Verschweigens oder des Verschonens. Anne-Marie Nega-Ledermann äussert sich in 
Finanz und Wirtschaft (vom 31. Mai 2000) wie folgt zum Thema Liechtenstein: «In der Unternehmenssprache gibt es den Begriff der kritischen Grösse [...]. Wenn aber die Grösse kaum veränderbar ist, dann gilt es umso mehr, seine Positionierung in Bezug auf das Umfeld und die Fra- gen einer allfälligen Selbstbeschränkung zu diskutieren. Diese Grund- satzdiskussion täte derzeit vor allem im Land Liechtenstein Not. Doch während Regierung und Landtag (immerhin das gewählte Parlament) unter wachsendem Druck und zunehmenden Vorwürfen aus dem Aus- land Gesetzesrevisionen und -verschärfungen durchpeitschen, kocht der Fürst via Interviews in der ausländischen Presse sein eigenes Süppchen. Er will die Mehrheit des Volks für seinen Verfassungsentwurf gewinnen und scheut daher nicht vor Verunglimpfungen der Regierung zurück. Die Verfassungs- und die aussenpolitische Krise haben sich damit zu ei- ner einzigen Landeskrise vereint und drohen dem Land über den Kopf zu wachsen. Dass Liechtenstein mit seinen rund 32000 Einwohnern, da- von nur etwa 21000 Liechtensteiner, für diese Situation nicht über die kritische Grösse verfügt, zeigt sich allein darin, dass das Land mit der Untersuchung der Geldwäschereivorwürfe einen Österreicher als Son- derstaatsanwalt betraute und auch sonst auf den Beizug von Ausländern angewiesen ist.» Am Horizont zeichnen sich neue Entwicklungen ab. Die EU schickt sich an, Europa nach ihrer Façon zu gestalten. Und die Schweiz ist zu gross, um auf die Dauer auf eine Mitwirkung in der EU zu ver- zichten. So könnte Liechtenstein inmitten einer EU zu liegen kommen, bei der die Schweiz und Österreich Vollmitglieder sind. Liechtenstein dagegen ist zu klein, um mitzuhalten. Ein schockierender Befund. Liech- tenstein ist an seine Grenzen gelangt. Es kann im Zentrum der EU nicht dabei sein, wo die meisten hindrängen.189 
Unser Staat
        

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