Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/181/
und reicht weit hinauf in die Berge. Die Natur ist verliebt in diesen Tep- pich Erde. (...) Ob man von Triesenberg oder Silum zum Rhein hinunter, oder von Planken ins Riet, oder vom Hinterschellenberg zum Bodensee blickt, oder von der Sükka in den Steg und zur Valüna: die Landschaft ist aus- nehmend schön und vielgestaltig. Es ist nicht die direkte Schönheit einer Côte d’ Azur, sondern eine milde mit viel Grün in einem Panorama von Bergen, Hängen und Talebenen, mit Rhein und Samina. Etwas davon ist in Daniela Marxers Film «Im Wunderland» festgehalten. Oft ist der Blick schon über die Grenze. Und der Horizont, unter dem wir leben, ist weiter, in einer Region, die irgendwie auch dazu gehört und doch wieder nicht. Topographisch ist das Oberrheintal eine Region. Doch in ihren Segmenten wurden ihr in der Geschichte recht unterschiedliche Schicksale zuteil. Hans Weigel fragt nach dem Staat: «dass da ein Staat ist [...], und der Schnellzug fährt durch, und dann ist man in Liechtenstein gewesen». Aber das Eigentümliche am kleinen Land ist, Franz Gschnit- zer beschreibt es: Das Land ist dem Bürger «Staat und Heimat zugleich [...]. Im Kleinstaat fallen Staatsbewusstsein und Heimatgefühl zusam- men.»Auf dem Weg zum Staatsein steht nicht ein einziges Ereignis. Die Entwicklung verlief stufenförmig, und eine Stufe war jeweils Vorausset- zung der nächsten. (...) Zweifellos war die periphere Lage, weitab vom Magnetfeld der grossen politischen Zentren, der Entwicklung zur Selbständigkeit güns- tig. Als wäre die Geschichte ein Abbild der geologischen Karte (Lage zwischen den Ost- und Westalpen und an den Ausläufern der Sedi- mentsschichten aus dem ehemaligen Mittelmeer und der helvetischen Decke), gilt schon für die Prähistorie (so Georg Malin), dass unser Ge- biet nie im Zentrum mächtiger Kulturen, sondern in deren Randzonen gelegen war: der Rössener Kultur (aus dem Norden), der Schussenrieder (Michelsberger, Lutzengüetle) Kultur (aus dem Norden), der Horgener Kultur (aus dem Westen), der Melauner Kultur (aus dem Süden). Güns- tig für die Selbständigkeit waren ausser der Randlage die schiere Klein- heit des Territoriums und, in neuerer Zeit, das Fehlen von wichtigen Rohstoffen. Liechtenstein war zu unbedeutsam, um daran einen grossen 182Texte 
aus dem Nachlass von Gerard Batliner
        

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