Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
46
Erscheinungsjahr:
2009
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000304372/171/
troffen. Die realistischen Briten verliessen die EFTA bald. Sie ist sozusa- gen zusammengeschmolzen. Die Büros in Genf sind teils verlassen. Ein- drücklich, vielsagend, sind die neueren Europakarten mit der Schweiz als alleinigem weissen Fleck, vielleicht auch der Umstand, dass Liech- tenstein (vor einigen Jahren noch unvorstellbar) jetzt immer aufscheint. UNO- und Europaratsmitgliedschaft sind hilfreich, aber unser staatlicher Status wird immer mehr davon abhängen, welchen Platz wir im europäischen Integrationsgeschehen einnehmen werden. Die Schweiz spürt diesen Druck. Der Chefberater der Europäischen Kom- mission (Generaldirektorat für Aussenpolitik), Graham J.L. Avery, sagte in seinem Referat vom 20. März 1995 in Vaduz, er teile die Ansicht der liechtensteinischen Regierung, dass «a policy of isolation is not a defensible solution, and the EEA is the only realistic way to maintain your sovereignty» (dass eine Isolationspolitik keine vertretbare Lösung ist und dass der EWR der einzige realistische Weg ist, Ihre Souveränität zu erhalten). Das Dazugehören hat noch eine andere, eine «familiäre» Dimen- sion: Wir sind mit den anderen zusammen, wir nehmen am Gespräch teil, wir werden mit den anderen Perspektiven für die Zukunft erar - bei ten und damit ermuntert oder gleichsam dazu gedrängt, uns zu be- haupten. Übersteigt dies nicht unsere Kräfte? Liechtenstein war immer ir- gendwie grössenunverträglich, war immer ein ambitiöses Projekt: Frü- her galt es, trotz dem Machtdenken der Grossen durchzuhalten (im Rheinbund [von Napoleon als Staat belassen, der sonst grosse Länder zerstörte oder verschmolz], im Deutschen Bund [neben Preussen und Österreich], im Ersten Weltkrieg, für den Völkerbund [der uns 1920 als Mitgliedstaat mit 28:1 Stimmen ablehnte], im Zweiten Weltkrieg [wo nicht Wenige verzagten]). 1950 konnte Liechtenstein nur mit grösster Mühe Mitglied des Internationalen Gerichtshofes werden. Vorbehalte gegenüber Kleinstaaten waren bis weit herauf vorhanden (UNO-Mikro- staatendiskussion: eventuelle Mitgliedschaft ohne Stimmrecht). Unsere Aufnahme in den Europarat ist nach 13-jähriger Anstrengung 1978 bei- nahe wegen unserer Kleinheit gescheitert. Der Europarat hat wegen Liechtenstein keine Nachteile erlitten. Er hat mit unserer Aufnahme 1978 eine politische Entscheidung getroffen für die Vielgestalt Europas, in dem Grosse, Mittlere, Kleine und Kleinste einen Platz und ein Lebensrecht haben. Das ist neu. Noch 1960 war 172Texte 
aus dem Nachlass von Gerard Batliner
        

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